Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zunz im Verkehr mit Behörden und Hochgestellten
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 335 (sequence 15)
- Language
- German
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Zunz im Verkehr mit Behörden und Hochgestellten. 335 völlig unbekannt gebliebenen Notiz hervor, daß die Errichtung einer Professur für Wissenschaft des Judentums (denn so ist der Ausdruck: jüdische Theologie, aufzufassen) durchaus keine überraschende Forderung war, sondern daß die Angelegenheit bereits die Volksvertretung beschäftigt hatte. Das Schreiben, das von dem Minister der philosophischen Fakultät übersendet wurde, ist jedenfalls von dieser an den Minister zurückgeschickt worden. Ich habe bisher keine Einsicht in das Original erlangen können. Ich gebe es daher nach dem Konzept wieder: 21. An den Minister Ladenberg 25. Juli 1848. Zu den auf Universitäten fremden Fächern gehört die Wissen- Schaft des Judentums. Über Geschichte und Literatur der Juden aus dem Zeitraum der letzten zweitausend Jahre wird da, wo die künftigen Beamten und Gesetzgeber ihre Vorbildung erhalten, keine Belehrung gegeben. Gebieten nicht die Zustände eine Einsicht, so sind die Fremdlinge auf diesem Gebiete gezwungen, sich an veraltete Bücher oder an lebende Bekanntschaften zu wenden, nicht geschützt vor dem Orakel der Unwissenheit oder des bösen Willens, deren Spuren alsdann Verfügungen und Gesetze tragen. Dem Leben und der Wissenschaft, dem Recht und der Geschichte werden hierdurch Unbilden zugefügt, von denen namentlich die Verhandlungen des ersten preußischen Landtages über das sogenannte Judengesetz ein trauriges Zeugnis ablegen. Die Unkunde von allem, was Juden und Judentum betrifft, die mir in diesen Verhandlungen begegnet, ist in jeder anderen Materie, welche die hohe Versammlung beschäftigt hat, ohne Beispiel. Für jüdische Angelegenheiten gab es keine Sachverständige, da jüdische Wissenschaft mit den Juden in ein Ghetto verwiesen war. Das Ghetto ist gesprengt, aber die Verweisung noch nicht aufgehoben. Was die spezielle Schilderung von der Wirkung dieser Vernachlässigung anbelangt, so erlaube ich mir auf meine seit dreißig Jahren herausgegebenen Schriften, insonder-