Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zunz im Verkehr mit Behörden und Hochgestellten
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 334 (sequence 14)
- Language
- German
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334 Zunz im Verkehr mit Behörden und Hochgestellten. X. Antrag auf Errichtung einer ordentlichen Professur für Jüdische Geschichte und Literatur. - Trotz dieser Mißerfolge beim preußischen Kultusministerium versuchte Zunz 2 Jahre später einen neuen Schritt, aber auch diesmal mit dem gleichen negativen Resultat. Am 25. Juli 1848 nämlich beantragte er bei dem Minister Ladenburg die Errichtung einer ordentlichen Professur für jüdische Geschichte und Literatur an der Berliner Universität. Zur Würdigung dieses Antrages von Zunz muß zunächst darauf hingewiesen werden, daß Andeutungen einer solchen Bitte sich schon in den Briefen an den König vom Jahre 1840 und 43 finden, daß aber außerdem, vielleicht nicht ohne seine Mitwirkung, auch öffentlich von dieser Sache bereits die Rede war. In der Kommission des Preußischen Vereinigten Landtages, die den Gesetzentwurf, die Verhältnisse der Juden betreffend, zu beraten hatte, wurde am 14. Juni 1847 mit 13 gegen 2 Stimmen die Motion eines Mitgliedes angenommen, die darauf ging, an irgendeiner Universität des Landes einen Lehrstuhl für jüdische Theologie einzurichten. Diese Motion kam dann in der Sitzung vom 17. Juni zur Verhandlung. Niemand verlangte darüber das Wort, und ob über den Antrag abgestimmt wurde, geht aus den gedruckten Protokollen nicht ganz klar hervor. In den Protokollen wird nämlich berichtet, daß ein Antrag von Donimiersky vorlag, die statutarischen Bestimmungen derjenigen Universitäten, die Juden ausschlossen, umzuarbeiten; dann heißt es in dem Protokoll »dieser Antrag der Abteilung wird mit 229 gegen 156 Stimmen bejaht«. Es ist nun fraglich, ob mit dem Antrag die Forderung des Polen oder die Motion gemeint ist, wahrscheinlicher ist das erstere, nur bleibt es auffällig, daß von dem Antrag eines Einzelnen gesagt wird, daß es der Antrag der Abteilung sei; die letzteren Worte »Antrag der Abteilung« beziehen sich sinngemäß eher auf jene Motion, während es ja andererseits begreiflicher ist, daß über einen Antrag wirklich abgestimmt wird, die Motion dagegen ohne Abstimmung bleibt Wie dem aber auch sein mag: es geht aus dieser bisher