Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1916-01-01 · Heft 4 · p. Seite 316

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
60 (1916)
Issue
Heft 4
Article
[Rezension]
Date
1916-01-01
Page
Seite 316 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2829873-2829878-2893690--42293-2893763
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

816 Besprechungen. Verdienst angerechnet, daß er das Hexagramm geflissentlich vermeidet und ornamental eigentlich nur als Strahlenmosaik im inneren Kuppeh scheitel verwendet. Im Äußeren fehlt es gänzlich, auch auf der Kuppel! Und nun wird man erst gewahr, daß es auch ohne dieses Verlegenheitsmotiv geht, daß eine Synagoge als solche auch ohne diesen Aufsatz charakteristisch sein kann. Grunwald, der dieses Motiv durch den siebenarmigen Leuchter ersetzt wünscht, findet hier eine glänzende Durchführung seiner Vorschläge. An hervorragender Stelle, in Rundrelief herausgearbeitet, prangt die Menorah in der Hauptfassade als einziges Synagogensymbol! Die Bearbeitung aller Einzelheiten, die ungemein liebevolle Vetarbeitung der Symbole, sie erinnern an die Schmuckfreudigkeit gothischer Meisterwerke. Wenn dabei alte jüdische Vorbilder unverändert verwendet wurden, z. B. S. 21 genau nach einem Goldgiase in den Katakomben zu Rom [Frauberger III/1V, Abb. 1 und 2] und S. 5a, genau nach der Grabsteie aus Priene, Kais. Friedr. Mus., Nr. 36, so ist dies eigentlich in künstlerischer Hinsicht bedauerlich. Die skrupellose Verwendung von Tierdarsteilungen dagegen, sogar auch der menschliehen Figur (S. 8), ist ein bemerkenswerter Fortschritt, der ein glänzendes Zeugnis für die Kenntnis ältester Tradition seitens der beratenden jRabbinen ist. Gerade der Puritanismus der Synagogen des 19. Jahrhundert hat das Vorurteil über die von den Juden angeblich verpönte Kunstübung jeder Art gezeitigt. Vielfach haben hier die Rabbinen eine Engherzigkeit bewiesen, die unerklärlich erscheinen muß angesichts der Wandmalereien in den frömmsten Gemeindesynagogen Gaiiziens und Polens. In seinen Beschreibungen der galüäischen Kultbauten registriert Krauß die dort geübten Malereien figürlicher Art mit den Worten: » . .. daß alles das vor den Augen der allerstrengsten Rabbinen und den berufensten Interpreten des mosaischen Gesetzes geschehen ist.« Dr. Richard Klapheck hat einen überaus stimmungsvollen Text zu dem Werke geschrieben, der geeignet erscheint, auch den nichtjüdischen Leser in die interessante Welt der altjüdischen Symbole einzuführen. Mit Recht behauptet Klapheck von ihnen, daß viele uralte orientale Formen vom Christentum ausgenommen und nach dem Okzident getragen wurden, während andererseits das Judentum viele dieser Symbole auf mesopotamische Vorbilder und Einflüsse zurückführen muß. Es sei — so meint der Text zum Schlüsse — die bedeutungsvolle Tat des Bauwerkes, daß Körner »aus dem Wesen des

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.