Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 315 (sequence 3)
- Language
- German
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Besprechungen. 315 In ihr wollte Baurat Körner die willkürliche »Neuornamentik< vermeiden und »den ornamentalen Schmuck aus der reichen Uberlieferung des Judentums gedanklich beleben«. Aus dem mittlerweile reich an gehäuften Material der Frankfurter »Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler schöpfte der Meister mit gutem Verständnis und dankt in seiner Vorrede den beratenden Mitarbeitern, den Herren Rabbinern Dr. Samuel und Dr. Cohn in Essen. So entstand aus diesem Zusammenwirken des Künstlers mit den verständnisvollen Theologen ein Werk, das wir als Wahrzeichen auf dem Gebiete neuzeitlicher Sakralbaukunst bezeichnen können. Die geschickte Grundrißlösung auf einem überaus ungünstig geschniitenen Bauplatze, die glückliche Vereinigung von Synagoge, Verwaltungs- und Wohnräumen, ritueller Anlagen usw. zu einer interessanten, künstlerisch ungemein wirksamen Baugruppe, alles dies ist in klaren Abbildungen aus dem Werke ersichtlich, soll aber hier nicht näher erläutert werden. Vielmehr sei umso eingehender das Gebiet behandelt, in dem Körner seine Größe offenbart: die Anwendung altjüdischer Symbole und die allenthalben in geistvoller Weise durchgeführte Wechsel״ beziehung zwischen Baumotiv und heiliger Schrift. Der aus der Form der Baustelle sich gleichsam von selbst er״ gebende Vorhof ist ein glücklicher Auftakt; seine Säulen sind mit den biblischen Granatäpfeln geschmückt und weisen seitlich Verlobungsringe auf, in Beziehung zu Hosea 2, 21, Zwei prächtige Bronzetüren zu dem eigentlichen Gotteshause tragen 6 runde Medaillons, deren Motive die Symbole der 12 Stämme sind (1. B. M. 49 und 5. B. M. 33). Es sind dies Liebesäpfel, die Burg Sichern, das Brüstschild usw. Die 6 Fenster des Hauptraumes enthalten die Symbole je eines der jüdischen Feste, bzw. des Sabbath. Dieser Gedanke ist nicht mehr neu. Aber es muß anerkannt werden, daß er hier in wahrhaft großzügiger Weise und in einem Reichtum an Gedanken durchgeführt ist, der unsere Bewunderung auslöst. Die glatten Flächen der Wände, Kuppel und Bögen sind gleichfalls reich mit jüdischen Symbolen geschmückt, diese ausnahmslos der Form eines Kreises eingeschrieben. Nicht weniger als 38 verschiedener Motive sind in der Monographie bildlich dargestellt, die indessen noch lange nicht die Fülle der Gedanken er״ schöpfen, mit denen Körner sein Werk ornamental belebt hat, an Stellen, die noch vor einem )ahrzehnt kaum andere Motive aufwiesen als Davidstern und Gesetzestafeln. Es sei dem Meister als besonderes