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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1916-01-01 · Heft 4 · p. Seite 317

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
60 (1916)
Issue
Heft 4
Article
[Rezension]
Date
1916-01-01
Page
Seite 317 (sequence 5)
Language
German
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Besprechungen. 7־31 Judentums einen ganz neuen und vollkommen modernen, monumentalen und ornamentalen Ausdruck gefunden hat«. Die interessante Schrift, die mir wie eine Abwehr gegen die vielgeschmähte jüdische »Unkunst« erscheint, verdient weite Verbreitung; vor allem aber auch in den theologischen Kreisen, die bisher durch eine doch nur scheinbar gerechtfertigte Intoleranz der Kunst gegenüber auf diese störend und hemmend eisigewirkt haben. Posen. Alfred Grotte. Zivier, E., Neuere Geschichte Polens. Bd. I: Die zwei letzten Jagiellonen (1506—1572). Gotha, F. A. Perthes, VIII, 80g S. 1915, 8. Auch wer die Agitation der preußischen Polen gegen unsere Regierung vor dem Kriege mißbilligte und die nationalpolnischen Be- Strebungen auf Errichtung eines selbständigen polnischen Staates für einen utopischen Traum hielt — utopisch, weil das ehemalige polnische Reich zum festen Besitzstand dreier europäischer Großmächte gehörte, — konnte sich gewiß eines tiefen Mitgefühls für das polnische Volk nicht erwehren. Hängen doch die Polen mit glühender Liebe an ihrem einstigen Vaterland, das sie nun schon seit fast anderthalb Jahrhunderten verloren haben, aber nicht verloren geben. Vergegenwärtigt man sich allerdings die Geschichte dieses ehedem blühenden großen Reiches, dieses Stiefkindes unter den europäischen Mächten, dann wird man zugeben müssen, daß es bei der eigenartigen Staatsverfassung, unter der das polnische Volk von Anfang an lebte, und die es immer mehr in der Richtung einer unglückseligen Adelsrepublik entwickelte, dem Untergang entgegen gehen mußte. Dem Namen nach immer ein Königreich, war das Königtum doch von vornherein in seinen Rechten durch die Schlachta, den Adel, derart beschränkt, daß eine geordnete Gesetzgebung und ein alle Volksschichten wohltuend durchdringendes Wirtschaftsleben nicht aufkommen konnte, obwohl das Reich sich immer mehr ausdehnte und im 16. Jahrhundert seinen größten Umfang gewann. Ja, es ist tragisch, daß Polen gerade zur Zeit seiner größten Ausdehnung den Todeskeim in sich aufnahm, indem es im 16. Jahrhundert die königliche Macht zu einem wesenlosen Schatten erniedrigte. »Nach außen noch blühend, aber im Innern morsch«: das ist das Bild, das Polen unter den beiden letzten jagiellonischen Königen Sigismund L (1506—1548) und Sigismund August (1548—1572) dem Betrachter dar-

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