Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 314 (sequence 2)
- Language
- German
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814 Besprechungen. ledigte-1). Die nunmehr eintretende Gepflogenheit, auf die Ausbildung des נ>heiligen Schreines« großen Wert zu legen, ist wiederum eine Konzession an den katholischen Kirchenbau, über welche die Anbringung von Gesetzestafeln und vielen Hexagrammen eben nicht hinwegtäuschen kann. Man beging den Mißgriff, maurische und arabische Formen zu wählen und verstärkte durch diese Fremdkörper im deutschen Stadtbilde die Kluft, die uns von den Mitbürgern trennt, auch rein äußerlich. Dann suchte man sein Heil in gothischen und romanischen Formen. Viel künstlerisch Wertvolles entstand; aber vergebens wird man überzeugende Originalität suchen, besonders in den Einzelheiten des Bauwerkes, die zwar offenbaren, wie glänzend der Erbauer arabische altchristliche, romanische oder gothische Motive zu meistern verstand, aber, vom rein originell-künstlerischen Standpunkte betrachtet, denn doch kalt lassen. Gibt es denn ־— so mußte man sich fragen — keine jüdischen Motive, sind Gesetzestafeln und Davidstern das Alpha und Omega der Phantasie und Erfindungskraft eines Volkes mit so reicher Vergangenheit und uralter Kultur? Diese Frage, deren Lösung vorsichtig tastend zuerst und unter der hoch einzuschätzenden Mitwirkung des Wiener Rabb. Dr. M. Grünwald '* 2) bei dem Neubau der Synagoge in Szegedin gelöst wurde, beantwortet Körner in geradezu klassischer Weise bei seinem Essener Bau. Zwar ist dieser nicht der erste, wirklich originelle Kultbau der neuesten Zeit. Die Synagogen des XX. Jahrhunderts zeigen vielmehr fast durchweg das Bestreben, sowohl im Äußeren als auch in der Raumgestaltung neue Baugedanken auszudrücken; indessen wird man diese zwar als charakteristisch synagogal gelten lassen können, sie jedoch nicht frei von gewissen stilistischen Anklängen an christlichkirchliche Baukunst erklären müssen. Erst Jürgensen 8! Bachmann haben in ihrer reizvollen Frankfurter Synagoge an der Friedberger Allee sich gänzlich von dieser Tradition losgelöst und ein Werk geschaffen, das höchst eigenartige, originelle Stilformen zeigt, wobei die Lösung durch strenge Innehaltung konservativer Forderungen (Almemor, Emporengitter) erschwert erscheinen mußte. Gänzlich unabhängig von diesem schönen ersten Versuche erscheint die Synagoge zu Essen. J) Man beseitigte indessen diese viel Platz raubende Estrade vielfach auch darum, um möglichst viel Plätze zu gewinnen. 2) jüd. Volkskunde, XIII, 37.