Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1916-01-01
- Page
- 313 (sequence 1)
- Language
- German
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Besprechungen. Körner, Edmund, Die neue Synagoge zu Essen. Berlin, E. Wasmuth, 104 S. 1915,4. Der Synagogenbau, der bald nach dem Eintritte geordneter politischer Verhältnisse bei den Juden einsetzte — es gilt dies ausnahmlos für alle Lander der Erde —, hat in künstlerischer Hinsicht wenig Erfreuliches aufzuweisen. Die Erbauer — meist bewährte Kirchenarchitekten — standen dem Bauprogramm umso hilfloser gegenüber, als sie an keine Überlieferung anknüpfen konnten. Denn die letzte Phase des jüdischen Sakralbaues lag Jahrhunderte weit zurück, und was vorhanden war, entsprach den neuen Raumforderungen nicht mehr. Jüngere deutsche Bauten (des 17. u. 18. Jahrh.), die formal gute Vorbilder geliefert hätten und deren Entdeckung dem Unterzeichneten durch reine Zufälligkeiten erst in den allerletzten Jahren gelang1), waren gänzlich verschollen. Es ist ja bezeichnend, daß alle neuere Literatur über den Synagogenbau, nach Besprechung der Beispiele von Worms und Prag, sogleich mit dem 19. Jahrhundert fortsetzt. Wenn man nun weiter berücksichtigt, daß das verflossene Jahrhundert in baulicher Hinsicht keine nennenswerten Fortschritte in baukünstlerischer Ent- Wickelung gezeitigt hat, vielmehr in seinem glänzendsten Stadium rein ekklektisch war, so ist es nicht weiter auffallend, daß unsere neueren Synagogen, so groß, stattlich und glänzend sie auch sein mögen, in rein künstlerischer Hinsicht keinen Fortschritt bedeuten. Sie sind mehr eine dem jüdischen Kult angepaßte Form der protestantischen Predigtkirche als eine selbständige Schöpfung des jüdischen Sakralbaugedankens. Und gerade das Typische, Bezeichnende, das Charakteristischste Baumotiv fehlt in den meisten Neubauten. Ich bezeichne als solches den Almemor, dessen Beseitigung man als reformatorische Tat zu feiern schien, ohne zu wissen, daß man sich dadurch eines künstlerisch gar nicht hoch genug einzu schätzenden Baumotivs ent- ב) Vgl. d. Unterz. Dissertat.: »Deutsche, böhm. u. poln. Synagogentypen v. XL bis Anfang des XIX. Jahrh.«, Berlin, 1925.