Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 311 (sequence 10)
- Language
- German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 311 ihn, statt ihn .zu trösten. Kurt interessiert sich bei seinen literargeschichtlichen Studien für die Romantiker, — »aber daß ich mich beleidigen lassen muß, weil ich von Juden stamme und einen Vater habe, der so geschmacklos war, sich adeln zu lassen — das ist zu viel. Das ist empörend, schändlich, gemein . . . diese Leute, die so unedel sind, daß sie einen Wehrlosen zu beleidigen vermögen, was eine Art Feigheit ist, wenn man es näher betrachtet, stammen von meinen herrlichen Ritternab. Ich finde, daß ich mich tapferer und vornehmer betrage, als meine Beleidiger.« Er sucht sich Felix anzuschließen, obwohl der ihm sagt, daß er — »ich kann nun mal nicht anders; es steckt im Blute« — eigentlich Antisemit sei. Aber natürlich, das schließe nicht aus anzuerkennen, daß es auch verständige und sympathische Juden gebe. »Ach«, meint Kurt, »dann darf man aber auch nicht Antisemit schlechtweg sein und höchstens sagen: Ich bin nicht Philosemit.« »Nein, erklärt Felix, »Antisemitismus ist Instinktsache, Sprache des Blutes. (Welche Ironie Bierbaums, da ja Felix — Judenstämmling ist) Zwischen den Ariern und Semiten ist Feindschaft gesetzt von Blutswegen.« »Wenn das richtig wäre« entgegnet Kurt, »so müßte ich ja Anti-Arier sein, und ich bin es so wenig, daß ich mich durchaus als Deutscher fühle, obwohl ich mich meiner jüdischen Abkunft nicht etwa schäme.« Ich denke, damit sind wir über die Ansichten Bierbaums auch über diesen Punkt im Klaren; es sind meiner Meinung nach, die eines — gebildeten Menschen. Schließlich noch die Stellung der Juden zu Kunst und Literatur: Felix wird Günstling des Fürsten und in den Grafenstand erhoben. »Sie wissen«, sagt der Fürst, der für eine stärkere Anteilnahme des Adels an kulturästhetischen Bestrebungen sich einsetzt, »daß ich nicht Antisemit bin . . . ich kann es nicht sein. Kann es nicht als Fürst, kann es nicht als Kulturfreund, denn ich sehe jetzt schon, daß die jüdischen Kreise in Deutschland an Kunstförderung mehr leisten, als alle anderen zusammen. Aber wenn ich das auch anerkenne, so bin ich doch