Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 312 (sequence 11)
- Language
- German
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312 Die Darstellung d. Jud. i. deutsch. Roman d. zwanzigst. Jahrhund. durchaus nicht unbedingt erfreut darüber — ja ich erblicke eine gewisse Gefahr darin. Wenn der deutsche Geist ästhetisch im Allgemeinen zu schwerfällig ist, so ist der jüdische, wie überhaupt, so in Dingen des Geschmacks, der Kunst zu beweglich . . . Die Juden drängen mit wenigen Ausnahmen immer nach links . . . die Juden, obwohl in ihren Kreisen am frühesten umfassende Versteher Goethes und auch der Romantiker waren, haben, und niemand darf sie verständigerweise deswegen tadeln, Heine, den Mann ihres Blutes erhoben1) ... Ich sage beileibe nicht, daß das deutsche Volk sich dem Dichter Heine hätte verschließen sollen, weil er ein Jude war; ich erblicke vielmehr ein Symptom nationaler Schwäche auch darin, daß gewisse Kreise sich gegen diesen bedeutenden Dichter seiner Abstammung wegen aufgelehnt haben . aber die Diktatur des Judentums in Sachen des deutschen, literarischen Geschmackes ist nicht weniger eine Schmach des Jahrhunderts als der Antisemitismus. Die Schuld daran trägt zum großen Teil unser Adel . . der indifferent ist . . Wie das ein Denkender unter der Herrschaft der Preßfreiheit übersehen kann, ist mir unbegreiflich, aber die Juden und die Sozialdemokraten übersehen es nicht.« Damit endet unser Interesse für das Buch; die Schicksale und das Ende des »Prinz Kuckuck« sind für meine Zwecke gleichgiltig. l) Varnhagen, Schm, (der anonyme Kritiker im Rhein.-westfäl. Anzeiger, s. Strodtmami I, 200 u. Elster I, Einl. zum Buch d. Lieder), Immermarm, Menzel u. viele and. waren nicht Juden. (Fortsetzung folgt.)