Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 309 (sequence 8)
- Language
- German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 309 Die Nachkommen des alten, braven Sem sind zwar sehr schätzenswerte und brauchbare Staatsbürger, aber ins Korps passen sie, wie der Mops zur Falkenjagd. Das Fechten kann man den Enkeln der Makkabäer am Ende atigewohnen, das Saufen nie. Ich weiß, wir haben selber ein paar jüdische, alte Herren, und es besteht kein Anlaß, sich ihrer zu schämen, aber ich kann mir nicht helfen: es kommt mir immer vor, als moquierten sie sich im Grunde über uns. Der S. C. sollte sich niemals prinzipiell gegen die Aufnahme von Juden festleg־en; das widerspricht seinen Grundsätzen; aber der Teufel soll mich holen, wenn ich jemals dafür stimme, daß ein Mosaiker bei uns renonziert« »Es bleibt«, entgegnete der Andere auf diese prinzipienfeste Darlegung, »eine direkt kommentwidrige Voreingenommenheit. — Wenn in den Burschenschaften, wo die Juden zum Teil überhand genommen haben, im Anschluß .an recht wenig erfreuliche Zeitströmungen (es sind die achtziger Jahre) eine antisemitische Richtung aufkommt, so läßt sich das am Ende begreifen, weil ihnen gewisse »teutsche« Simpelhaftigkeiten anhaften und weil sie überhaupt die Schwäche haben, sich durch Aktuelles beeinflussen zu lassen, aber ein Korps- Student muß auch über einen jüdischen Kommilitonen unbedingt und rein objektiv urteilen. Für uns gibt es weder eine konfessionelle, noch eine Rassenfrage, mag die Tagespolitik derlei Blasen aufwerfen oder nicht... So wenig der echte, deutsche Add verjudet werden kann, so wenig kann es der S. C., wenn er nur den jüdischen wie allen anderen Studenten gegenüber auf strenge Auswahl hält . . . DerA S. C. muß notwendig exklusiv in der Gesinnung sein, abe jedem offen stehen, der diese Gesinnung an den Tag legt und überdies diesen Gesinnungen ähnlich sieht.« »Ich besitze,« entgegnete der erste, »nicht deine schöne Zuversicht, daß der S. C. gegen Verjudung gefeit ist. Er ist es so wenig, wie alles übrige Deutsche. Wir sind in demselben Maße schwach, wie die Juden stark sind. Ich habe, gottverdammich, Respekt vor •dieser in der Tat auserwählten Nation, die uns mit einer gefähr-