Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 308 (sequence 7)
- Language
- German
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308 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman Kuckuck genannt. Die Mutter und die Väter kümmern sich weiter nicht um ihn, erst später greift Sarah verhängnisvoll in sein Leben ein. Nachher von einem Hamburger Millionär als Sohn angenommen und der Erbe seines ungeheuren Reichtums, wird er natürlich protestantisch und vom Adoptivvater ganz in Nietzschesehen Anschauungen zum Herrenmenschen herangezogen und damit in religiöser Beziehung eine ebenso gründliche Mischung wie in körperlicher erreicht. Eine Nebenperson ist ein Maler jüdischer Herkunft, ein prachtvoller, semitischer Rassekopf mit Augen voller Geist und Schärfe, der die bildnerische Vorstellung und den Geist eines modernen deutschen Juden besitzt, stolz auf seine Rasse und doch ganz Berliner. Auch das ist charakteristisch für die Ansicht Bierbaums. »Das Christentum«, sagt dieser jüdische Berliner, »hat sich an die armen Teufel jewendet. Es war die frohe Botschaft für’s jemeene Volk. Zuerst unter den Juden. Was aber n; armer Jude alles zu jlauben imstande ist, det ist unjlaubiich. Und wenn n’ armer Jude was jlaubt, denn jlaubt er es so, daß er dafür mit Jelassenheit die Welt an allen vier Ecken mit Petroleum überjießt und anzündet. Arme Juden sind die jefährlichsten und jeschicktesten Agitatoren für unjlaubliche Sachen ... Jut, die frohe Botschaft lief auf Apostelbeinen über die Welt . . . Damals wars den Leuten zu helle jeworden; sie wollten was dunkles haben . . . Ejyptische Jottheiten waren so schon Mode... warum nich auch mal jüdische? . . . Die jüdische Suppe schmeckte und war das Hauptnahrungsmittel des Volkes jeworden . . . und nach und nach kams so, daß die Herrschenden selber den neuen Jlauben mitmachen mußten.« Das ist nun eine sehrnüchterne Anschauung über die Entstehung des Christentums als Volks- und Staatsreligion. Henry, wie der Held jetzt heißt, geht an die Universität Jena und möchte hier Korpsstudent werden. Das gibt Gelegenheit, des Verfassers Stellung über das Korpswesen und die Burschenschäften und ihr Verhältnis zu den Juden auszusprechen. Ein Bursche nämlich meint zu einem zweiten: »Seine Adlernos’ ist mir verdächtig. Du mußt ihn nach dem Taufschein fragen.