Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1916-01-01 · Heft 4 · p. Seite 306

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
60 (1916)
Issue
Heft 4
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1916-01-01
Page
Seite 306 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829873-2829878-2893689--42282-2893753
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

306 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman Kehren wir zu Mosch-Eskeles zurück. Er hat die kleine Holzarbeit eines alten Arbeiters der Leodolterischen Fabrik »Die Leiden Christi« erstanden.« »Sie wird in Ehren gehalten«, erklärt er, »er soll nicht glauben, daß ich sein Werk nicht schätze, weil ich Jude bin. Ich habe Ehrfurcht vor Allen, die leiden und gelitten haben.« An der Bewegung nimmt er auf Seite des guten Bürgertums teil, er ist Vertreter eines besonnenen Fort- Schrittes. Nach Niederwerfung der Revolution errichtet er mit der Familie Leodolter ein Stiftungshaus für unheilbar Kranke, wozu hauptsächlich er, nebst einigen wohlhabenden Freunden (also wohl Juden) das Geld hergibt. Seine Hingabe für die Familie geht so weit, daß er die Stiftung nach jenem kleinen Kunstwerke nennt, denn er glaubt damit die geheimsten Gedanken seiner Freundin Betti zu erraten. Die Stellung Ertls ergibt sich aus dem Ganzen klar. Daß einige Ungenauigkeiten oder Fehler mit unterlaufen, wie etwa daß Mosch-Eskeles in der Erregung unwillkürlich in den Jargon zurückfällt, von dem er sich gewöhnlich frei zu halten weiß, da die Spaniolen überhaupt nicht jüdeln, oder daß die Juden ihr Jahr mit dem November beginnen, tut dem keinen Eintrag. Die Darstellung der Juden bei Otto Julius Bierbaum• Prinz Kuckuck, Leben, Taten, Meinungen und Höllenfahrt eines Wollüstlings. In einem Zeitroman von Otto Julius Bierbaum. München und Leipz., 1909. Georg Müller. u.Aufl. 3 Bde. 529, 436, 576 SS. Es ist, wie gesagt, nicht meine Aufgabe, literarisch-ästhetische Würdigungen zu geben. Ich werde es daher auch nicht bei diesem umfangreichen, unendlich geistreichen, unendlich abscheulichen Buche tun, sondern, da der Verfasser über alle Zeitfragen sich gründlich ausläßt, hier nur seine Äußerungen, d. h. wohl Meinungen über Judentum und Juden wiederzugeben versuchen. Der Held ist der Sohn einer jungen, reichen, jüdisch-amerikanischen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.