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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1916-01-01 · Heft 4 · p. Seite 304

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
60 (1916)
Issue
Heft 4
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1916-01-01
Page
Seite 304 (sequence 3)
Language
German
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Die Darstellung der Juden im deutschen Roman S:4’׳ dem Judentum antue und erzählt, der berühmte Tonkünstler Meyerbeer habe abgelehnt, nach Wien zu kommen, weil er sich beim Judenamte hätte melden und für einen mehr als dreitägigen Aufenthalt einen Leibzoil entrichten müssen. »In ganz Tirol darf überhaupt kei Jud bleibe«, sagt Ladurner, ein Tiroler Student, der eben auch für eine Art Republik mit den Habsburgern an der Spitze eingetreten war. »Eine Schmach«, ruft Finkas. »Es ischt uns noch nia niachts abgegangen deswegen«, behauptet der Tiroler. »Das ist dunkelstes Mittelalter, eine Schande für Österreich«! eifert Pinkas. »Gehören wir nicht zur europäischen Völker״ familie? Aber es kennzeichnet den Geist des Systems, daß es die Intelligenz des Judentums fürchtet.« Der 13. März, der Tag des Ausbruches der Wiener Revolution, ist herangekommen. Pinkas nimmt an der Erstürmung des Zeughauses tätigen Anteil. Aber die Teilnahme der Juden ist Manchem nicht recht, so Mießrigl,, der sich der Bewegung angeschlossen hat, ohne mit dem Herzen dabei zu sein. Er meint, der Titel de§ Kaisers müsse nun lauten: Wir Ferdinand L, von Dr. Fischhofs1) und Leb Pinkas Gnaden. Auch dürfe der Titel: König von Jerusalem nicht mehr hinten nachhumpeln, sondern müsse ganz vorn stehen. So begleitet er auch das Leichenbegängnis der Märzgefallenen, unter denen sich zwei Juden befinden, mit seinen hämischen Glossen. Da er als Naderer, d. h. Spitzel gilt, sind es gewiß nicht des Dichters Ansichten, die er ausdrückt. Das tut vielmehr der bekannte katholische Pater Füster, der dem zögernden Rabbiner zuruft: »Verehrter Herr Kollege! Wir sind hier Alle in demselben Amte, um denen, die für die Freiheit gefallen sind, die letzte Ehre zu erweisen. Wollen Sie mir die Freude machen, sich uns anzuschließen? Warum sollten Altes und Neues Testament sich nicht unter der Fahne der Freiheit zusammenfinden?« Und man erlebt das noch nicht gesehene Schauspiel, daß ein katholischer Priester und ein Rabbiner nebeneinander hinter den Särgen herschreiten. Mießrigf aber sagt: »Es ist merkwürdig, daß die Menschen die großen ג) Der später so bekannte Politiker.

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