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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1916-01-01 · Heft 4 · p. Seite 303

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
60 (1916)
Issue
Heft 4
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1916-01-01
Page
Seite 303 (sequence 2)
Language
German
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Die Darstellung d. Jud. 1. deutsch. Roman d. zwanzigst. Jahrhund. 303 hatte Betti, der ältesten Tochter des Hauses Leodolter, Neigung entgegengebracht, die vielleicht nicht ganz unerwidert geblieben war, doch nie gewagt, ein entscheidendes Wort zu sprechen, um ihr zu ersparen, sich durch die Schwierigkeiten zu beunruhigen, die seine Religion und Rasse (auch hier das falsche Wort) einer Verbindung entgegensetzen mußten. So blieb er bloß der Freund, entschlossen als Hagestolz zu sterben. Das ist vom Verfasser fein und vornehm, weil gar keine Bemerkung angefügt wird; sind doch seine Ansichten durch die Schilderung klar genug gemacht. »Bildung macht frei«, erklärt Mosch-Eskel es seinem Freunde Leodolter, der sich oft mit ihm über Fragen der Erziehung unterhält, und so dürfen dessen Söhne studieren. Einer von diesen, nun bereits an der Hochschule, sagt in einem Gespräche zu dem in allen Farben schillernden Journalisten Mießrigl: »Im Proletariate gährt es, von unten herauf muß die Erlösung kommen«. »Von den Juden wird sie kommen«, entgegnet Mießrigl, »das ist schon einmal das Volk der Erlöser. Nicht von Mosch- Eskeles und seinesgleichen, aber vom Proletariat der Intelligenz; dort stecken die Maulwürfe, die die Wühlarbeit leisten. Da ist ein gewisser Leb Pinkas, ein Mauschel, wie er im Buche steht. Sein Großvater . . . war ein jüdischer Hausierer, den die Leute auf dem Schottenfelde mit den Füßen traten. Der Enkel hat sich den Studien zugewandt. Was willst du? Die Staatsämter sind ihm durch das Gesetz und viele andere Berufe durch Herkommen verschlossen. So fristet er als kleiner Advokaturschreiber ein eiendes, von Haß und Rachsucht erfülltes Dasein . . . Was haben diese Existenzen von einer gründlichen Umwälzung zu fürchten? Nichts! Was haben sie davon zu hoffen? Alles!« Dieser Leb Pinkas, ein junger Mann von scharf ausgeprägtem jüdischem Typus mit Anzeichen von Kummer und verhaltener Leidenschaft in den unsteten Augen fordert in einer Studenten- Versammlung, während die andern in politischen Utopien schwärmen, — Glaubensfreiheit. Arbeiter kommen hinzu, Leb Pinkas trifft Bekannte unter ihnen. Er redet von der Schmach, die man

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