Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Ein jüdisches Testament aus dem Jahre 1470
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 296 (sequence 2)
- Language
- German
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296 Ein jüdisches Testament aus dem Jahre 1470. christlichen Bevölkerung sehr angesehen, sonst hätte sie nicht die Bevorzugung genossen, daß ihr Testament als einzig jüdisches mitten unter christlichen steht. Daß sie eine kluge, vorsorgliche Frau und liebevolle Großmutter war, zeigt sich in den einzelnen Bestimmungen des Testaments. Schon die Wahl des ersten Vormundes spricht dafür. Dieser war eine sehr bekannte und angesehene Persönlichkeit, die uns öfters in den Urkunden von 1460—1477 begegnet. Ursprünglich Rabbiner (Hochmeister) in Mainz, war er nach der Erstürmung dieser Stadt durch Adolf von Nassau 1462 nach Frankfurt gewandert. Nach den Rechenbüchern zahlte er nur die geringe Bede von 20 Gulden. Da er keine Geldgeschäfte treiben durfte, befand er sich offenbar in bedrängten Verhältnissen, so daß seine Freunde für ihn die Bede aufbringen mußten1). Zum zweiten Vormund bestimmte Ryke Fremot (Fromet), Isaaks andere Großmutter (die Schwiegermutter ihres Sohnes, wie es in dem Entwurf genauer heißt.) Beide sollten noch einen dritten Vormund, wo möglich aus Frankfurt oder ״Worms, hinzunehmen. Das Kind sollte nicht unter fremden Leuten aufwachsen, sondern im Heim der Vormünder und auch nur dort Unterricht empfangen, nicht nur den gewöhnlichen Elementarunterricht, sondern auch Unterweisung im Talmud. (»Lernen.«) Auch insofern hatten die Vormünder Elternstelle am Verwaisten zu vertreten, als sie ihm später eine Frau wählen sollten. Für ihre Mühewaltung erhielten Simon von Mainz und seine Frau freie Kost, dazu noch jährlich 10 Gulden; vielleicht beabsichtigte Ryke damit, den bedürftigen Gelehrten vor Not zu schützen. Ebenso ward Fremot, die wahrscheinlich auch keine vermögende Frau war, reichlich bedacht. Sie erhielt außer freier Kost und Kleidung 50 Gulden jährlich, eine für die damalige Zeit sehr bedeutende Summe. x) Selbstverständlich kennt ihn auch die hebräisch geschriebene zeitgenössische Literatur. Hier genügt der Hinweis auf Jacob Freiman ns Einleitung zu seiner Ausgabe des Leket Joscher (Berlin 1903) S. LI, Nr. 132^ wos. Z. 7 zu lesen ist: 56 'ב.