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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1916-01-01 · Heft 4 · p. 295

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
60 (1916)
Issue
Heft 4
Article
Ein jüdisches Testament aus dem Jahre 1470
Date
1916-01-01
Page
295 (sequence 1)
Language
German
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Ein jüdisches Testament aus dem Jahre 1470. Von I. Kracauer. Testamente von Juden in deutscher Sprache aus dem 15. Jahrhundert dürften wohl zu den größten Seltenheiten gehören. Das hier veröffentlichte befindet sich in den Minor-Wahrschaftsbüchern, die letztwillige Verfügungen von Christen, Besitzes- Veränderungen durch Tausch und Kauf, Gültbriefe, Übernahme von Bürgschaften und andere geschäftliche Vereinbarungen enthalten. Die Bezeichnung Minor schreibt sich davon her, daß derartige Urkunden vor drei Ratsherren mit dem kleinen Stadt- Siegel beglaubigt wurden, im Gegensatz zu den Major-Währschaftsurkunden, deren Ausfertigung mit dem großen Stadtsiegel vor Schöffen und Rat erfolgte, (s. Jung, das Frankfurter Stadtarchiv und seine Bestände und Geschichte, S. 161.) Das vorliegende Testament, von dem auch noch der Entwurf erhalten ist, hat die Frankfurter Jüdin Ryke am 9. November 1470 zu gunsten ihres Enkels Isaak, der offenbar völlig verwaist war, aufgesetzt. Über Ryke erfahren wir aus den Rechenbüchern, daß sie seit 1461 verwitwet war. Nach dem Tode ihres Mannes Saul (Sauwel) zahlte sie 60 Gulden, später aber 85 Gulden an Stättigkeit und Hauszins. Sie gehörte mithin zu den wohlhabendsten Gemeindemitgliedern. Dafür spricht auch, daß sie nach den Gerichtsbüchern hohe Summen auslieh, einmal 600 Gulden, wofür ihr der Schuldner 18 Wagen Weizen verpfändete. Auch im Testament erwähnt sie unter ihrer Habe Gold, Silber, Silberwerk und Kleinodien; leider vermissen wir ein ausführliches Inventar ihres Besitzes, wie wir es in Testamenten aus späterer Zeit haben. Da sie auch Bücher hinterläßt, dürfen wir bei ihr eine gewisse Bildung annehmen. Offenbar war sie bei der

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