Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Bürgschaft als Motiv in der jüdischen Literatur
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 275 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829873-2829878-2893686--42257-2893731- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Bürgschaft als Motiv in der jüdischen Literatur. 275 und der ritterlichen Hochherzigkeit, worauf die Freundschaft gegründet ist, ist aber das Bezeichnendste in den arabischen Bearbeitungen der Bürgschaftslegende. Ich erinnere auch an die vorhin bereits erwähnte Erzählung bei Jamblichus, de vita Pythag. Kap. XXIII, von dem in einer ihm fremden Herberge Erkrankten, weiters an die in diesem Zusammenhang gleichfalls schon berührte Makame, deren Übersetzung von Steinschneider im Magaz. f. d. Liter, d. Auslands, 1845 mitgeteilt wird, wo gleichfalls der eine für einen ihm gänzlich Unbekannten als Bürge eintritt. Ferner liegt eine Liebesgeschichte von der Art vor, wie sie in 1001 Nacht häufig vorkommt. Der eine verliebt sich in die Braut des Freundes dermaßen, daß er liebeskrank wird und vor Liebesgram ganz herabkommt, vgl. 1001 Nacht, Henning, Bd. IV, 115—116. Endlich tritt eine Straßenräubergeschichte hinzu, die darin gipfelt, daß der Räuber und Totschläger in der Stunde der Not sich als hochherziger, ehrlicher Mensch erweist. Damit sind die verschiedenen Räubergeschichten in 1001 Nacht zu vergleichen, ferner Gesta Romanorum, No. 108, wo von zwei Straßenräubern erzählt wird, die gelobten, sich in Gefahr nicht im Stich zu lassen. Am Galgen erbittet sich der eine die Erlaubnis, dreimal rufen zu dürfen, beim dritten Ruf kommt der Freund herbeigeeilt1). Nach Wiener2), soll eine der Lonsano’schen Relation nahestehende Bearbeitung des Bürgschaftsmotivs in zwei Werken vorliegen, in die er aber, wie er betont, nicht Einsicht nehmen konnte, nämlich in כסאות לבית דוד von jehuda Assael del Bene, (Verona, 1646) und in dem Pentateuch - Kommentar הדר זקנים (Livorno, 1840). Mir war es trotz eifrigsten Durchsuchens dieser beiden Werke nicht beschieden, die besagten Stellen ausfindig zu machen. In diesem Zusammenhang verdient vielleicht auch erwähnt zu werden, daß der Bürgschaftsgedanke, der, wie ich nachgewiesen zu haben glaube, im Vorstellungskreis des alten Israel eine zentrale Stellung innehatte, durch eine seltsame Fügung *) ln unserer Relation ruft der Räuber znm Galgen hinauf. 3) M. S. 1854, a. a. O.