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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1916-01-01 · Heft 4 · p. Seite 272

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
60 (1916)
Issue
Heft 4
Article
Die Bürgschaft als Motiv in der jüdischen Literatur
Date
1916-01-01
Page
Seite 272 (sequence 10)
Language
German
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272 Die Bürgschaft als Motiv in der jüdischen Literatur. über das Verhältnis der orientalischen und okzidentalischen Bearbeitungen unserer Legende naturgemäß nicht gegeben werden am allerwenigsten über die Stellung, die Lonsanos Relation in diesem Kreise einnimmt Ist in Gemäßheit unserer bisherigen Darlegungen der Ursprung des Bürgschaftsmotivs im Kreis orientalischer Vorstellungen und von ihnen beherrschter Rechtssitten zu suchen, so steht nichts im Wege, der Bearbeitung in 1001 Nacht die Priorität und derjenigen Lonsanos die Rolle einzuräumen, die für die Literaturwerke des jüdischen Mittelalters so charakteristisch ist: die Rolle der Vermittlung zwischen Orient und Okzident1). Zu dieser Annahme berechtigt auch manche Einzelheit in Lonsanos Darstellung, die beweist, daß ihr Verfasser seine eigenen Wege geht. So z. B. läßt er die beiden Freunde infolge kriegerischer Verwicklungen sich von einander trennen und sie dann wieder Zusammenkommen, so daß bei ihm Freundschaft und Religion das Motiv der Bürgschaft bilden, wodurch auch der Schlußpassus וכן אמדו eine erhöhte Bedeutung erlangt. Was von Kalilah und Dimnah, den verschiedenen Sindbad־Legenden und Sandabars Erzählungen mit ziemlicher Sicherheit festgestellt erscheint, wird auch von unserer Legende gelten können: Durch die Vermittlung der hebräischen Bearbeitung ist sie vom Osten nach Westen gedrungen2). Freilich wird auch der entgegengesetzte Fall nicht außer Betracht bleiben dürfen, die Möglichkeit, daß unsere hebräische Relation die primäre ist und als solche entweder direkt oder durch arabische Vermittlung in 1001 Nacht gedrungen ist. Für diese Annahme spricht nicht x) Daß die Geschichte in 1001 Nacht am Hofe des im 6. nachchristlichen Jahrhundert lebenden Noaman III spielt und mit Christlieber Bekehrungstendenz verknüpft erscheint, sohin jüngeren Datums ist, verschlägt deshalb nichts, weil wir in 1001 Nacht zwischen Sagen- Substanz und Sagenbearbeitung unterscheiden müssen. Vgl Peries, Rabb. Agadah in 1001 Nacht in der Monatsscfir. 1873, ferner Dyroff a. a. O. 2) Vgl. Sengeimann, Das Buch von den sieben weisen Meistern 1842, S. 3.

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