Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Bürgschaft als Motiv in der jüdischen Literatur
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 271 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829873-2829878-2893686--42253-2893727- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Bürgschaft als Motiv in der jüdischen Literatur. 271 haltlich mit ß übereinstimmen. Nicht mit solcher Bestimmtheit gilt das von der Erzählung, die unter dem Titel, »Eine arabische Fassung der Bürgschaftssage« bei Brockelmann, »Qesch. der arabischen Literatur«, Leipzig, 1901 II, S. 37, abgedruckt ist, da hier gerade das Gegenteil der Fall ist. Es stimmen die Einzelheiten, während die Pointe, worauf es bei ß hauptsächlich ankommt, die Bekehrung des Königs, in dieser Relation nicht zu finden ist. Vergleicht man a mit ß, so ergibt sich zunächst die Ähnlichkeit der Grundtendenz in beiden, die Verherrlichung der Religion, bei a die des Islams, bei ß die des Christentums1). Ja ß geht in in diesem Punkt über a hinaus, indem es der theoretischen Verherrlichung den praktischen Erfolg der Bekehrung des Königs auf dem Fuß folgen läßt. Aber auch in der Anwendung der Mittel, durch welche diese Tendenz gefördert und erreicht wird, stimmen beide überein. Bürgen und Gebürgte kennen sich in beiden Versionen nicht, sind sich nie zuvor im Leben begegnet, es ist lediglich die von der Religion ihnen gebotene Hochherzig־ keit und Ritterlichkeit, die sie im Notfall für einander das eigene Leben einsetzen läßt. Das ist eben der Punkt, in welchem die orientalischen von den okzidentalen Bearbeitungen der Bürgschaftslegende sich unterscheiden. In den klassischen Relationen sind es zwei von früher her befreundete, ja im gemeinschaftlichen Haushalt lebende Männer, — Damon-Phiontias, Moerus-Selimuntius — die für einander mit dem Leben bürgen. Die Handlung in der Erzählung verfolgt lediglich den Zweck, die Feuerprobe solcher Freundschaft vor der Öffentlichkeit, in erster Reihe vor dem König bestehen zu lassen, während in den orientalischen Relationen diese Probe nicht sowohl die Freundschaft als vielmehr die Religion zu bestehen hat. Bei der Unsicherheit der Textbeschaffenheit von 1001 Nacht, und der Kompliziertheit aller damit zusammenhängenden Fragen kann ein abschließendes Urteil L) Steinschneider, a. a. O. hält ß für die ältere Version und meint, daß die klassische Sage zuerst von Christen auf Noaman übertragen wurde, ohne aber, wie wir es bei ihm sonst gewohnt sind, einen durchhaltenden Beweis dafür zu erbringen.