Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Bürgschaft als Motiv in der jüdischen Literatur
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 270 (sequence 8)
- Language
- German
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270 Die Bürgschaft als Motiv in der jüdischen Literatur. im türkischer Übersetzung in dem Buche Atta Beys, das den Titel führt: »Icktitaf«, und es ist daselbst als ein Exempel islamitischer Moral bezeichnet. Beide Versionen decken sich mit unserer Vorläge in 1001 Nacht, was Gragger entgangen zu sein scheint1). In diese Reihe gehört auch eine von Dr. A. D. Mordtmann nach einer arabischen Handschrift in der Gartenlaube, Jg. 1869 veröffentlichte Erzählung. Denn wiewohl von a in manchen Einzelheiten abweichend — hier bürgt der Richter für den von ihm verurteilten Schuldigen — ist doch die Tendenz der Erzählung die nämliche: die Verherrlichung des Islams. Die zweite Relation der Bürgschaftssage in 1001 Nacht ß findet sich in deutscher Über- Setzung bei Habich Bd. VIII, S. 226—9. An Stelle des Dionysius in der klassischen Bearbeitung tritt hier Noaman III, Sohn Mundsirs IV, König von Hira; Bürge und Gebürgter werden auch hier nicht mit Namen genannt, sondern es bürgt einer der Angesehenen am Hof, ohne daß dessen näheres Verhältnis zum Schuldigen angegeben wäre. Der Schuldige stellt sich erst nach Ablauf eines Jahres ein und erklärt, daß seine Religion, das Christentum, ihm diese Handlungsweise gebiete, und er veranlaßt dadurch Noamans Bekehrung zum Christentum mit den Worten: »Ich möchte der Dritte von Euch im Bunde sein«. Aus dieser Version dürften hervorgegangen sein: die lateinische Bearbeitung im Specimen historiae Arabum, Oxford, 1650 und die französische von M. Cardonnes, abgedruckt in dessem Werk, »Melanges de litterature orientale«, Paris, 17702), die beide, von unbedeutenden Einzelheiten in der Ausschmückung der Sage abgesehen, vollin- 1) Hier mag auch eine mir von Herrn Dr. Schultz brieflich mitgeteilte Sage kurz erwähnt sein, deren Original in W. Radloff, »Proben der Volksliteratur der türkischen Stämme Südsibiriens«, Petersburg, 1870 III, 364 ff• abgedruckt ist. Hier bürgen 39 Gefährten für den Schuldigen, der ein Waisenkind ist. Gern benütze ich diese Gelegenheit, dem ausgezeichneten Mythologen und Literaturvergleicher Herrn Dr. W. Schultz für die aufschlußreichen Winke und Anregungen, die er mir gegeben, meinen besten Dank hierdurch auszudrücken. 2) Stadelmann, a. a. O. S. 23, 35.