Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Bürgschaft als Motiv in der jüdischen Literatur
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 269 (sequence 7)
- Language
- German
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Die Bürgschaft als Motiv in der jüdischen Literatur. 269 Dazu kommt die Anonymität des Königs und der beiden Freunde, die Verlegung der Handlung nach dem Orient, worin L. allerdings zum Teil mit Polyän übereinstimmt. Wenn man will, kann man über dieszwischen Lonsano und Polyän eine Kongruenz auch darin erblicken, daß beide für ihre Darstellung einen politischen Hintergrund verwenden, während andererseits hinsichtlich der Schlußworte וכן אמרר bei Lonsano und des Streites, wer von beiden Freunden sterben soll, eine gewisse Ähnlichkeit zwischen einigen, vorhin erwähnten Versionen in den Sammelwerken des Christliehen Mittelalters nicht zu verkennen ist. Ob hier bewußte Entlehnung oder bloß zufällige Parallelentwicklung vorliegt, kann umsoweniger beantwortet werden, als die ganze Frage dadurch, daß ähnliehe Bearbeitungen des Bürgschaftsmotivs auch in der orientalischen Literatur häufig Vorkommen, noch komplizierter wird. Uns interessieren hier hauptsächlich die Bearbeitungen in 1001 Nacht. Die Bürgschaftserklärung liegt in 1001 Nacht in zwei Versionen vor; sie bilden die Quelle, woraus die verschiedenen Bearbeitungen in der arabischen und türkischen Literatur hervorgingen. Die eine (« ) findet sich in der ägytischen Ausgabe von 1001 Nacht, Bd. I, S. 576—8, und daraus in der englischen Übersetzung von Lane V, II, p. 589—92 und in der deutschen bei Henning VIII, S. 60 unter dem Titel »der Chalife Omar, der Sohn des El- Chattab, und der junge Beduine.« Fast wörtlich stimmt damit überein eine in Oberleitners chrestom-arab. abgedruckte Makame, die von Steinschneider im Jg. 1845 des Magaz. f. d. Literatur d. Auslandes ins deutsche übersetzt ist1). In der Zeitschrift für vergleichende Literaturgeschichte (Bd. XVIII, S. 123—126,) teilt R. Gragger unter dem Titel »Eine arabische Gestalt der Bürgschaftssage« eine Erzählung mit, von der er behauptet, sie neben vielen anderen am Bosporus von einem alten Diener allabendlich erzählen gehört zu haben. Das Märchen findet sich nach Gragger x) Steinschneider hat, wie er a. a. O. selbst bemerkt, die obenerwähnten Ausgaben von 1001 Nacht nicht gesehen, sonst wäre ihm unmöglich entgangen, daß die Makame, die er aus dem Original in Oberl. Christ, arab. ins deutsche übersetzt, sich wörtlich mit a deckt.