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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1916-01-01 · Heft 4 · p. Seite 268

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
60 (1916)
Issue
Heft 4
Article
Die Bürgschaft als Motiv in der jüdischen Literatur
Date
1916-01-01
Page
Seite 268 (sequence 6)
Language
German
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268 Die Bürgschaft als Motiv in der jüdischen Literatur. erzählung durch ihn in die Gesta Romanorum und deren Vermittlung in die Literatur des christlichen Mittelalters gedrungen war1), freilich nicht, ohne daß die Sage auf dieser Wanderung je nach den Kulturzuständen des Landes und dem Standpunkt des Autors immer wieder anderen Aufputz und mitunter sehr bunt schillernde Fassetierungen erhalten hat. So werden, um nur ein Beispiel zu erwähnen, aus Dämon und Phintias, die bei Diodor zwei pythagoräische Philosophen sind, in den Gesta Romanorum zwei eidlich verbundene Räuber, bei Lonsano zwei Kaufleute, in der vom Meister Stephan in niederdeutschen Versen gelieferten Bearbeitung des Cessolis’schen Schachbuchs »twe truwe riddere damon unde physius«, während in dem Werk »die Pluemen der Tugend« des Tirolers Hans von Vintler aus Phintias ein Weib Physoia und aus Damon Amore wurde2). Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist auch die Bearbeitung unserer Sage in dem niederdeutschen Passionale, einem christlichen Legendenbuch des 13. Jahrhunderts, wo die Bürgschaftssage als Beispiel in die Legende von der heiligen Agnes und ihrem bekehrten Ritter eingeflochten ist. Wie bei Lonsano streiten hier die beiden Heiden miteinander, wer von ihnen sterben soll, nur wird der gordische Knoten im niederdeutschen Passionale dadurch gelöst, daß der Richter »unde dödede se beyde.« Von dem in der Lonsano’schen Relation vorliegenden Schlußpassus וכן אמרו, dessen Analogen sich in der Version des von Peter Lauremberg im 16• Jahrhundert hergestellten Sammelwerks »Acerra Phüologica« vorfindet, ist bereits früher die Rede gewesen. Welche von den hier wiedergegebenen Darstellungen dem Verfasser der Lönsanö’schen Relation als Vorlage diente, oder ob er eine solche überhaupt benützt hat, läßt sich heute wohl kaum ermitteln. Was Lonsano von den klassischen Berichterstattern und ihren Nachschreibern unterscheidet, ist folgendes: Zunächst ist die Darstellung bei Lonsano von biblischen Motiven, namentlich der Josefsgeschichte, stark beeinflußt ף vgl. Zingerle, Zeitsch. f. d. Philolog. 11, S. 185. 2) Zingerle, a. a. D. Stadelmann, a. a. O.

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