Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1916-01-01 · Heft 4 · p. Seite 267

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
60 (1916)
Issue
Heft 4
Article
Die Bürgschaft als Motiv in der jüdischen Literatur
Date
1916-01-01
Page
Seite 267 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2829132-2829873-2829878-2893686--42249-2893723
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Bürgschaft als Motiv in der jüdischen Literatur. 267 Verschreibung ist1). Alle die bisher genannten Autoren schöpfen ihre Berichte aus einer Urquelle, wahrscheinlich ans einem alten Pythagoräerbuch, das vielleicht den neupythagoräischen Mathematiker, Nikomachos von Gerasa zum Verfasser hat2). Völlig selbständig und unabhängig von den pythagoräisehen Berichten sind die Versionen bei Hygin, Liber fabulorum, N. 257 und Polyänus im fünften Buch seiner strategemata Kap. 22. Die Abweichung betrifft nicht nur die Namen der beiden Helden und deren Abstammung — bei Hygin, dem Schiller folgt, heißen sie Moerus und Selimuntius, bei Polyän, Euphenos und Eukritos — sondern auch Einkleidung, Motivierung, Zeit und Ort der Handlung, Uns interessiert hier besonders Polyän deshalb, weil er unter den klassischen Berichterstattern der einzige ist, der den Schauplatz der Handlung teilweise nach Asien verlegt3), so daß sein Bericht vielleicht als Bindeglied zwischen den okzidentalen und den noch zu besprechenden orientalischen Bearbeitungen der Bürgschaftslegende gelten kann. Unter den bisher erwähnten Schriftstellern ist wohl Valerius Maximus der im Mittelalter am meisten Gelesene, und es ist in hohem Grade wahrscheinlich, daß die Bürgschaftsder luselausgabe von 1001 Nacht, S. 12. »Das sich füreinander aufopfernde Freundespaar ist so alt wie die menschliche Gesellschaft,« sagt mit Recht Gasse im Rhein. Museum Bd. 66, S. 607. Bei alledem aber an der pythagoräischen Priorität festhalten, wie es Stadelmann tut, und die Erscheinung, daß die Bürgschäftssage durch den ganzen orientalischen Literaturkreis wie ein Kranz sich durchzieht, damit erklären, daß die Tat der beiden Pythagoräer im Altertum einen solchen Eindruck hervorgebracht habe, daß nicht weniger als drei Religionen — mit der Bibel vier — sich die Ehre derselben anzueignen versuchten, heißt den Boden wissenschaftlicher Exaktheit verlassen und sich auf das Gebiet der Hypothesen begeben. ב) Der Name Phintias ist ethymologisch sichergestellt, da <P1vrLa& nach dem sizilianischen Dialekt so viel ist wie <&1Äziac — der Liebenswürdige, Geliebte. Stadelmann a. a. O. S. 13. 2) vgl. Gasse a. a. O., S. 607. 3) Die beiden Helden und deren Schwester läßt Polyän aus Parium, dem heutigen Kerner am Marmarameer stammen. Stadelmann a. a. O., S. 21,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.