Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Bürgschaft als Motiv in der jüdischen Literatur
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 266 (sequence 4)
- Language
- German
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266 Die Bürgschaft als Motiv in der jüdischen Literatur, übereinstimmend sind die Berichte des Valerius Maximus5 Manilius und Lactantius, nur mit dem einen Unterschied, daß alle genannte!* drei anstatt Phintias Pythias setzen, was aber offenbar nur eine Zeitschrift t Kult. d. alten Orients, Bd. 111, S. 46. Siehe auch jamblichus de pyth. vita, Kap. XXIII, § 237-39, wo erzählt wird, wie ein Pythagoräer in einer ihm fremden Herberge erkrankt und einen anderen Pythagoräer nennt, den er zwar nicht kennt, der aber kommen wird, die aufgelaufenen Kosten der Pflege für ihn dem Wirt zu bezahlen. Der Wirt glaubt ihm und läßt ihn ziehen. Der Genesene macht ein Pentagramm als Erkennungszeichen an der Tür. Der Freund kommt und bezahlt. Das Pentagramm als Erkennungszeichen und die Schilderung der Hoch״ herzigkeit, mit welcher der eine für den ihm unbekannten zweiten ein״ tritt, sind orientalisches Gut. Über das letztere vgl. Steinschneiders Bemerkungen im Magaz. f. d. Lit. d. Auslands, 1845. Wenn aber Stadelmann a. a. O. S. 20 als stärksten Beweis für seine These ins Treffen führt, daß die beiden Helden als Pythagoräer durch ihre strenge Ordenspflicht zur gegenseitigen Aufopferung und Unterstützung ver״ pflichtet waren, somit kein Grund Vorliebe, anzunehmen, daß die Begebenheit nicht wirklich geschehen sei, so kann dem folgendes entgegengehalten werden. Zunächst ist eine solche oder eine ähnliche Ordenspflicht auch bei den orientalischen, auf ähnlicher Grundlage gebildeten Orden keineswegs ausgeschlossen, namentlich nicht bei den Essenern, deren Einrichtungen mit denen der Pythagoräer die größte Ähnlichkeit zeigen. Vgl. Schürer, Gesch. d. V. Isr. S. 583 ff. Ferner ist doch, wie im Verlauf dieser Untersuchung des öfteren ge״ zeigt wird, die Aufopferung des einen für den anderen in den ältesten historischen Zeiten als eine allgmeine auch außerhalb der Orden bestehende Rechtssitte anzusehen, die eine Folgeerscheinung des bei den orientalischen Völkern besonders stark vorherrschenden Geschlechter״ und Stammesleben ist. Was aber gegen die Annahme eines auf Wahrhaftigkeit des Geschehens beruhenden pythagoreischen Ursprunges der Bürgschaftssage am schwersten ins Gewicht fallt, ist die Tatsache* daß hierbei der ganze orientalische Literaturkreis übersehen wird. Nicht nur in der Bibel, auch in 1001 Nacht, in der indischen, arabischen und türkischen Literatur findet sich die Bürgschaftserzählung in allen möglichen Varianten vor, ganz losgelöst von pythagoräischer Einkleidung. Gewiß, ein großer Teil dieser Bearbeitungen ist in ihrer gegenwärtigen* Form jüngeren Datums, allein die Sagensubstanz weist auf eine Zeit hin, die tiefer hinabreicht als die der Pythagoräer. Vgl. Benfey* Pantschatantra. Einleitung und Dyroffs Ausführungen im letzten Band