Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Bürgschaft als Motiv in der jüdischen Literatur
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 265 (sequence 3)
- Language
- German
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- Cicero 1× ep/1024888
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Die Bürgschaft als Motiv in der jüdischen Literatur. 265 sichert, den Vorfall aus dem Munde des Dionysius selbst vernommen zu haben. Unter den Vertrauten des Dionysius — erzählen die genannten drei Autoren mit kleinen Änderungen l 2) —, entstand ein Streit, ob die vielgepriesene Freundschaft der Pyihagoräer sich in der Stunde der Gefahr als echt erweisen würde. Von den beiden Freunden, Dämon und Phintias‘-1) wird der letztere von Dionysius in grausamem Scherz beschuldigt, nach dessen Leben getrachtet zu haben, und daraufhin zum Tode verurteilt. Nachdem er zur Versorgung seiner Familienangehörigen einige Tage Aufschub erhalten, liefert sich Dämon für ihn als Bürgen aus. Phintias kehrt zur rechten Zeit zurück, worauf Dionysius die Bitte ausspricht, ihn als Dritten im Bunde aufzunehmen3). Von diesen wesentlich beeinflußt und mit ihnen ף Porphyr. Vita Pythag. 59—60. Jamblich. De vita Pyth. 233, Diodor a. a. O. ed. Wessling III., p. 354. Vgl. auch Pauly, Real-Encykl. der!dass. Wissenschaften, Bd. IV, S. 2074. 2) Cicero, de officis 111,10, Valerius Maximus, Memorabilia IV, 21 heißt der Freund Pythias. 3) Wiener, a. a. O. halt diese angeblidi aus dem Munde des Aristoxenus stammende Geschichte für ein wahres Ereignis und meint: »Wir sehen nämlich, wie ein Ereignis aus dem Leben der Pythagoräer den verschiedenen Völkern zur Erfindung von seltsamen Geschichten Veranlassung gab, wie geschichtliche Tatsachen sich nach und nach verändern, Zusätze annehmen und endlich in das Reich der Sage übergehen, dabei aber immer die Bedeutung der Geschichte für das Gemüt bewahren.« Ebenso vertritt Stadelmann a. a. O. Seite 18 unter Berufung auf Viehoff und andere deutsche Literaturhistoriker die Ansicht, daß wir es mit einem wirklichen historischen Faktum, nicht etwa mit einer bloßen, um die Persönlichkeit des Pythagoras gesponnenen Sage oder Fabel zu tun haben. Diese Annahme kann jedoch vom Standpunkt der vergleichenden Kultur- und Religionsgeschichte nicht aufrechterhalten werden. Wir wissen heute, daß die Persönlichkeit des Pythagoras und seines angeblichen Bundes mit einem Sagenkreis umgeben ist, in welchem sich die abenteuerlichsten Märchen und Dichtungen vorfinden, die in ihrem ,Ursprung auf uralte, orientalische, besonders eranische Kosmogonien zurückgehen. So ist, um nur ein Beispiel anzuführen, die pythagoräische Verehrung der Bohnen als Köpfe der Eltern im eranischen Mythos mehrfach bezeugt. Vgl. Schultz, Memnon,