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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1916-01-01 · Heft 4 · p. Seite 264

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
60 (1916)
Issue
Heft 4
Article
Die Bürgschaft als Motiv in der jüdischen Literatur
Date
1916-01-01
Page
Seite 264 (sequence 2)
Language
German
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264 Die Bürgschaft als Motiv in der jüdischen Literatur. Geraten hier die beiden Freunde in Streit darüber, wer von ihnen für den anderen sterben soll, so erklären die Brüder Josefs zweimal mit großer Emphase: Wir wollen allesamt Sklaven sein unserem Herrn. Und endlich ist in beiden die Schlußpointe die gleiche: אני יוסף אחיכם אל תעצבו ואל יחר בעיניכם .... למחיה 'שלחני אלהים לפניכם וימחול להם ויעשום עושר גדול .... עשו אותי שלישי לכם/ ויהיו הברים. Unter dem Eindruck der mit elementarer Kraft hervorbrechenden Bruderliebe gibt sich Josef als Bruder zu erkennen, hier wiederum bittet der König, als dritter in den Freundesbund aufgenommen zu werden1). Um nun das Verhältnis obiger Erzählung zu Schilfers Bürgschaft zu bestimmen, empfiehlt es sich, vorerst einige auf diesen Gegenstand bezügliche, literarhistorische Tatsachen zu besprechen. Bekanntlich hat Schiller, wie er gelegentlich der am 4. September 1798 erfolgten Über- Sendung der Ballade an Goethe bemerkt, deren Stoff dem Liber Fabulorum des Hygin entnommen2). Die Darstellung Hygins paßte Schiller für seine Zwecke besser als die dem Ursprung näherstehende, wie sie Jamblichus und Porphyrius in ihren Werken »Vom Leben des Pythagoras« und Diodor in seinen Eklogen tüsqI ägerf!^ %a1 uauiag nach dem Bericht eines Zeitgenossen des Aristoxenos bieten, welcher ver- 2) Steinschneider a. a. O. hält den Schlußpassus: וכן אמרו für einen müßigen Zusatz, womit der Verfasser seine Mischnakenntnis zeigen wollte, Wiener a. a. O. für eine charakteristische Pointe, wodurch die spontane Freundestreue im Gegensatz zu der auf Ordenspflicht beruhenden pythagoräischen hervorgehoben wird. Beide Annahmen, besonders aber die erstere schießt meines Erachtens schon deshalb über das Ziel hinaus, weil ein ähnlicher Schluß auch in anderen Bearbeitungen unserer Sage vorliegt. So z. B. schließt unsere Erzählung in dem von Peter Laurenberg im Jahre 1654 veröffentlichten Sammelwerk »Acerra Philologica«, das eine Sammlung klassischer Sagen enthält, mit den Worten: »Wohl dem, der einen solchen Freund hat, Freunde in der Not sind ein köstliches Kleinod«. Vgl. Stadelmann a. a. O. S. 44. Es liegt sonach kein Grund vor, diesen Passus für einen müßigen Zusatz zu halten. 2) Nummer 257 unter dem Titel: Qui inter se amicitia iunctissimi fuerunt, vgl. Dünzer, Schillers lyr. Gedichte 1874. S. 23t.

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