Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zunz im Verkehr mit Behörden und Hochgestellten
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 246 (sequence 2)
- Language
- German
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246 Zunz im Verkehr mit Behörden und Hochgestellten. zahlreichen deuischen und ausländischen Zeitungen den Text der Zeitung zurecht zu machen. Die Spenersche Zeitung der genannten Jahrgänge besteht also im wesentlichen aus solchen Ausschnitten und Übersetzungen, aber es ist gar kein Zweifel, daß kleine geistreiche und satirische Bemerkungen, sowie auch manche der be~ rühmten Zunz-Witze sich in diese Ausschnitte eingeschlichen haben. Wegen der strengen Zensur, die selbst die unschuldigsten Nachrichten über deutsche und ausländische Potentaten verbot, und die die Redakteure zwang, mit Neuigkeiten äußerst vorsichtig umzugehen, würde es sich trotzdem feststellen lassen, daß die liberale Anschauung des Zeitungsschreibers in kleinen Notizen durchschimmerte. Es wird allgemein angenommen, daß Zunz seine Stellung an der Spenerschen Zeitung aufgab, weil er es nicht über sich gewinnen konnte, gegen die Polen aufzutreten, wie der Besitzer der Zeitung verlangte, während er den Freiheitskämpfen dieses Volkes die größte Sympathie entgegenbrachte. In inneren deutschen Verhältnissen bewährte er sich durchaus als Demokrat. Im Jahre 1848 war er geradezu Revolutionär. Es hat sich ein Brief an seinen Freund Ph. Ehrenberg erhalten, worin er eine genaue Beschreibung der Märztage gab und seine unbedingte Neigung für die Aufständischen bekundete. Reden aus jener Zeit drücken seine unbedingte demokratische Gesinnung aus. Die Reaktion ernüchterte ihn und führte ihn aus den Gefilden der Politik fort; die neue Aera fand ihn wieder unter den Liberalen (eine ganze Anzahl wichtiger Wahlreden und politischer Ansprachen ist in den Ges. Sehr. Band I, S. 301—354 gedruckt). Trotz der liberalen Gesinnung war Zunz während seines ganzen Lebens nicht ein Unentwegter in dem Sinne, daß er sich beständig von den Großen der Erde zurückzog. Zwar war und blieb er der Dr. Zunz. Er erhielt weder Titel, noch Orden. Ob er solche gern begehrte, ob keinerlei Anstrengungen seitens Befreundeter gemacht wurden? Diese Fragen scheinen mir nicht unbedingt verneint werden zu müssen. Wenigstens gibt es Äußerungen in seinen Briefen, die darauf hindeuten, daß er recht gern solche Auszeichnungen erhalten hätte. Allerdings ist es