Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zunz im Verkehr mit Behörden und Hochgestellten
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 247 (sequence 3)
- Language
- German
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Zunz im Verkehr mit Behörden und Hochgestellten. 247 unwahrscheinlich, daß sich andere für ihn bemühten. Denn Zunz lebte so zurückgezogen, daß er in hohen Kreisen wenige oder gar keine Gönner fand und den wenigen, mit denen er verkehrte, z. B. dem Juristen, Prof. Berner, zeigte er eine so schroffe Haltung, daß diese vielleicht, wenn sie Lust bezeugten, für ihn einzutreten, eine scharfe Ablehnung von seiner Seite befürchteten. Daß die Regierung selbst keine Schritte tat, dem hochverdienten Manne den Professortitel zu geben, wird man begreifen, wenn man bedenkt, daß damals die Wissenschaft des Judentums bei den preußischen Behörden keinerlei Beachtung fand, ferner daraus, daß ein solcher Antrag angesichts seiner bekannten demokratischen Gesinnung auf Widerstand stoßen mußte. Ob er selbst durch Verleihung eines Titels oder Ordens erfreut gewesen wäre, läßt sich bei der Kompliziertheit seiner Natur schwerlich sagen. Ich glaube, daß eine Stelle in dem Briefe an den genannten Ehrenberg 1864, nach Zunz’ 70, Geburtstag, in der er bemerkte, er habe wenig Geschenke, keine Auszeichnungen und keine Orden erhalten, nicht satirisch gedeutet zu werden braucht, sondern meine, daß er es gern gesehen hätte, wenn ihm eine äußert Anerkennung von Seiten der Regierung zuteil geworden wäre. L Hardenberg, Eylert, Sussex. 1. Zunz an Hardenberg1). An dem seltenen Tage, der Euer Durchlaucht die Huldigungen eines großen, dankbaren Vaterlandes darbringen, erlauben Sie, durchlauchtiger Herr Staatskanzler, auch einem unbeachteten Bex) Das Material, aus dem die nachfolgenden Notizen geschöpft sind, entnehme ich hauptsächlich dem »Briefbuche« von Zunz: einer Zusammenstellung von Briefen, die er 1832 — 1850 geschrieben hat und vielen losen Blättern, die in seinem Nachlasse verwahrt werden. Gelegentlieh sind auch vertraute Briefe an Isler und Ehrenberg herangezogen, die in das Eigentum der Zunz-Stiftung erst kürzlich übergegangen sind, während Brief-Buch und Blätter schon lange dieser Stiftung angehören.