Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zunz im Verkehr mit Behörden und Hochgestellten
- Date
- 1916-01-01
- Page
- 245 (sequence 1)
- Language
- German
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Zunz im Verkehr mit Behörden und Hochgestellten. Von Ludwig Geiger. Der Altmeister der Wissenschaft des Judentums,. Leopold Zunz, lebte keineswegs bloß in seinen Bücherhaufen and abseits der Welt. Vielmehr hatte er ein ziemlich allgemeines literarisches und ein hohes politisches Interesse, Wenn er auch, ähnlich wie Goethe zu verschiedenen Zeiten seines Lebens und besonders in seinem Alter die stehende Redewendung brauchte, daß er keine Zeitung lese, so ist diese Äußerung nicht wörtlich zu nehmen. Denn er las bis zuletzt Zeitungen so genau, daß er nicht nur über die politischen Vorgänge, sondern auch über die Stadtneuigkeiten unterrichtet war, ja, er studierte sogar die Annoncen so eifrig, daß er sich Ausschnitte daraus machte, komische Anzeigen aufbewahrte und durch den Druck besonders auffällige Notizen gelegentlich in Briefen an seine Vertrauten anklebte. Politik aber beschäftigte ihn im höchsten Maße. Er war ein freisinniger, ja geradezu demokratisch gesinnter Mann, ein Muster- Deutscher, wenn er auch gelegentlich im Gespräch und in der Korrespondenz ein Scheltwort gegen die »Teitschen« wagte und andere Nationen über sie erhob. Sein politisches Credo war grimmiger Haß gegen Österreich und das Papsttum; Garibaldi war sein Held; mit diesem in Rom einzuziehen sein Ideal. In deutschen Verhältnissen bewährte er stets seinen Freisinn. Er tat dies schon als Redakteur der Spenerschen Zeitung 1824—31. Es würde sich einmal lohnen, diese Jahrgänge der Spenerschen Zeitung genau durchzunehmen, um Zunz1 Anteil zu sondern. Freilich das Zeitungsschreiber! von anno dazumal war ganz anders als heutzutage. Leitartikel, Korrespondenzen, Depeschen gab es nicht: der Redakteur hatte die Zeitung zu schreiben, d. h. aus