Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1916-01-01 · Heft 3 · p. Seite 223

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
60 (1916)
Issue
Heft 3
Article
Die Bürgschaft als Motiv in der jüdischen Literatur
Date
1916-01-01
Page
Seite 223 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829873-2829877-2893578--42193-2893659
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Bürgschaft als Motiv in der jüdischen Literatur. 223 häufig in ihrer grenzenlosen Liebe gern für die ihrigen sterben wollen«1). Diese Behauptung Philos wird durch den Bericht in Gen. Kap. c. 42—45 vollinhaltlich bestätigt. Hier erscheint die Bürgschaft nicht nur in ihrer ursprünglichen Bedeutung als Geiselschaft, sondern es kann hier auch von ihrer Verwendung als literarisches Motiv schlechthin gesprochen werden. Denn in der dramatischen Erzählung von Josef und seinen Brüdern, die in den vorerwähnten Kapiteln enthalten ist, fällt dem Bürgschaftsgedanken die wichtigste Rolle zu. Er ist gewissermaßen das treibende Motiv der Handlung. Um ihn schürzt sich der Knoten des Dramas, und an ihm gelangt er auch zur Lösung. Um die Treulosigkeit zu ahnden, die seine Brüder einst gegen ihn begangen hatten, unterzieht der zu ungeahnter Höhe emporgestiegene Josef ihre Zuverlässigkeit einer starken Probe, als sie zu ihm nach Egypten zum Einkauf von Getreide gekommen waren. Er stellt sich, als hielte er sie für Spione. Um ihnen aber Gelegenheit zu geben, ihn eines anderen zu belehren, verlangt er von den Brüdern, daß sie als Bürgen (Geiseln) bei ihm verbleiben bis auf einen, der mit der Aufgabe betraut werde, den daheim gebliebenen Benjamin zu holen. Nach einigen Tagen ändert Josef seinen Entschluß dahin, daß er sich mit der Bürgschaf tsleistung eines einzigen begnügt, während den anderen die Heimreise zum Zweck der Einholung Benjamins freigegeben wird. Die Brüder kehren heim, und nun beginnt der Kampf um Benjamin, den der Vater nicht hergeben will, auch dann nicht, als Rüben, der älteste, sich verpflichtet, seine Söhne als Bürgen für Benjamin zu stellen. Erst als Juda feierlich erklärt: »Ich werde für ihn bürgen, von meiner Hand kannst du ihn fordern«, willigt Jacob ein, Benjamin ziehen zu lassen. Die Brüder kommen nach Egypten, und es wäre alles in bester Ordnung gewesen, wenn sie nicht infolge eines im Futtersack Benjamins Vorgefundenen Bechers, den Josef absichtlich dorthin hat gelangen lassen, in große Aufregung geraten l) Vgl. S. 213, Anm. 1 und Philo de spec. legibus III 20g bei Cohn, Die Werke Philos igog, S. 231.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.