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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1916-01-01 · Heft 3 · p. Seite 222

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
60 (1916)
Issue
Heft 3
Article
Die Bürgschaft als Motiv in der jüdischen Literatur
Date
1916-01-01
Page
Seite 222 (sequence 10)
Language
German
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222 Die Bürgschaft als Motiv in der jüdischen Literatur. Orient. Ihre ersten Spuren weisen wahrscheinlich nach Persien1). Zu dem gleichen Ergebnis führt die Tatsache, daß die Bürgschaft als Sagenmotiv im Kreis der Pythagoräer häufig vorkommt1 3 * *־), woraus bekanntlich Schiller durch Vermittlung des römischen Fabeldichters, Hygin, den Stoff zu seiner Dichtung »die Bürg- Schaft« entlehnte. Denn es ist mehr als wahrscheinlich, daß die Pythagoräer und die mit ihnen zusammenhängenden orphischen Mysterien vereine in ihrer ursprünglichen Beschaffenheit eine sakrale Gemeinschaft darstellen, deren auf dem Grund engster Zusammen•* gehörigkeit beruhende Vorstellungen und Gebräuche orientalisch bedingt sind. Pythagoräer, Therapeuthen, Essener und eranische Mönchsorden tragen Merkmale einer nicht bloß äußerlichen Ähnlichkeit, sondern auch solche eines blutsverwandtschaftlichen Verhältnisses an sich — sie stehen alle im Zeichen aufopferungsvoller, bis zur äußersten Hingabe sich steigernder Freundschaft und Brüderlichkeit, die in gemeinsamen, religiösen Vorstellungen ihren Ursprung haben8). Wie sehr das Bürgschaftsmotiv in 1001 Nacht und der von dieser Sagensammlung beeinflußten arabischen und türkischen Sagenliteratur verbreitet ist, davon wird weiter in einem anderen Zusammenhang die Rede sein. Daß in diesem Kranz auch die Bibel nicht fehlt, ist so selbstverständlich, daß es gar nicht besonders hervorgehoben zu werden braucht. Es wurde bereits an einer anderen Stelle von mir auf die eigenartige Erklärung hingewiesen, die Philo den Worten »nicht sollen sterben Väter wegen der Söhne und Söhne wegen der Väter, jeder soll in seiner Sünde sterben« zuteil werden läßt: »Diese Bestimmung wurde getroffen im Hinblick auf diejenigen, die von besonders zärtlicher Liebe erfüllt sind. Denn diese werden ב) Vgl. R. Gragger in der Zeitschr. f. vergleichende Literaturgeschichte Bd. XVill, S. 123. 2) Porphyrius, Vita Pythagor. § 68, Jamblich, de vita Pyih. Kap. XXIII. 3) Zeller, Philos. d. Griechen IIL>, S. 277. Wetidland, die Therapeuten, Jahrb. f. klassische Philolog. Bd. 22, S. 692 und Bousset, die Rel. d. Judent. im nt. Zeitalter, S. 435.

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