Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Bürgschaft als Motiv in der jüdischen Literatur
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 215 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Bürgschaft als Motiv in der jüdischen Literatur, 215 (Ps. 119, 122)י deren Ähnlichkeit mit manchen in den altbabylonischen Briefen häufig begegnenden Segensformeln nicht zu verkennen ist1), besagen sonach: Gott bürge für mich, d. i. verpflichte dich mit deiner eigenen Persönlichkeit, mich vor dem Zugriff meiner Gläubiger (Bedränger) zu schützen, ähnlich wie Josua Kap. 3, 14 die Boten Josuas für Rachab und deren Familie die bürgschaftliche Haftung mit den Worten übernehmen =־ נפשנו תחתיבס למרת. Besonders deutlich wird die bürgschaftliche Haftung Gottes in der Form, wie sie für die biblische Zeit durch den Handritus charakterisiert ist, durch Job. Kap. 17, 3 vor Augen geführt: שימה נא ערבני עמך מי הוא לידי יתקע, als dessen poetische Variante die Stelle in der Selicha Meirs b. Isaak aus Worms עךבתנו שים לטוב יושב מרומים_; gelten kann2). Mehr aber noch als für den einzelnen haftet Gott in der biblischen Literatur für die Gesamtheit. Die bürgschaftliche Haftung Gottes für die »Stämme Israels« bildet einen Hauptgedanken der biblischen Theologie und erscheint auch als leitendes Motiv in der Darstellung des Ereignisses, welches als das wichtigste in der altisraelitischen Geschichte gelten kann: der Bundesschließung Gottes mit Israel in II. M. Kap. 23 und 24. Hier begegnet uns die bürgschaftüche Haftung noch in der uralten Form, wie sie durch die Rechtssitten des altisraelitischen Stammeslebens bedingt ist: Gott als Bürge für die Stämme Israels, die 70 Ältesten als Vertreter dieser Stämme, beide als bürgschaftsrechtliche Subjekte in Wechselseitiger Haftung für einander. Der Inhalt dieser Haftung besteht darin daß, während Gott sich für den Schutz Israels gegen dessen Feinde verbürgt, die Stämme ihrerseits die bürgschaftliche Haftung und Verpflichtung auf Einhaltung des auf zwölf Denksteinen für die zwölf Stämme Israels niedergeschriebenen Vertrags übernehmen, wobei auch die kultische Handlung nicht fehlt, durch x) ilum näsirka reska ana damiqtim likil — dein Schutzgott möge dein Haupt zum Glücke halten, vgl. Koschaker a. a. O. S. 4. 2) Vgl. Zunz, LG. 250. Die Selicha beginnt mit den Worten תענית צבור .קבעו, Neben Job 17,3 ist die Reminiszenz an Ps. 119, 122 unverkennbar.