Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die talmudische Literatur der letzten Jahre
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 19)
- Language
- German
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190 Die talmudische Literatur der letzten Jahre. nur zu wünschen, daß er seine Theorie einer gründlichen Revision unterziehe; denn auch sie enthält trotz ihrer Falschheit als Ganzes einzelne richtige Elemente, die auch in den anderen Theorien über das Proömium, in denen von Theodor1), Bloch2), Maybaum3) und Bacher enthalten sind. Merkwürdig ist es, daß Bacher und Künstlinger, die sich gegenseitig scharf bekämpfen4), nicht erkannt haben, daß ihre Theorien in der Hauptsache sich decken. Nach beiden besteht diePethicha aus: 1. Erklärung des einen Bibeitextes durch einen andern, 2. Deutung des erklärenden Textes, 3. Rückkehr zum erklärten Text. Ein Schema, das eigentlich schon aus Blochs Ausführungen deutlich herauszulesen ist5). Ein Unterschied ist nur in der Terminologie für dieses Schema vorhanden. Bloch: Stichvers — Textvers—Erläuterungs-Übergang, Bacher: Perikopentext — Proömi umtext — Verknüpfung — Deutung — Anknüpfung, Künstlinger: Text A — TextB— Aequativ—Deutung—Inclusio6). Das absolut falsche in Künstlingers Theorie ist der enge Rahmen, in den er die Pethicha spannt dadurch, daß er nur einen Komplex von Deutungen als Pethicha gelten läßt. Vielleicht entschließt sich Künstlinger, diesen Rahmen zu erweitern. Wir müssen aber nun zur Halacha zurükkehren. Kleinere Abhandlungen, Ausführungen und Bemerkungen zu ausgewählten Talmudsteüen nach der Reihenfolge der Traktate ג) Die Komposition der agadischen Homilien, Monatsschrift 1879. 2) Studien zur Agada, Monatsschrift 1885—1886. 3) Die ältesten Phasen in der Entwicklung der jüdischen Predigt. 4) Vgl. oben S. 186 Anm. 1 und Künstlinger, Die Pethichoth des Midrasch rabba zu Genesis, Einleitung. 5) Vgl. Monatschrift 1885, S. 216 ff. 6) Ich meine, daß alle bisherigen Theorien Elemente zur Bildung einer richtigen Erklärung der Pethicha hergeben müssen: die Pethicha ist ein in sich geschlossenes agadisches Gebilde (Bloch), das als Einleitung zum eigentlichen Vortrag diente (Theodor, Maybaum und allgemein). Ihr Wesen besteht in der unmittelbaren (Aptowitzer) Verknüpfung des Perikopenfcextes mit dem Pethichatext, der ganz (Künstlinger) oder auch teilweise (Bacher, allgemein) gedeutet wird, u. z. so, daß aus der Deutung der Übergang zum Perikopentext gefunden wird (Bloch, Künstlinger, Bacher).