Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die talmudische Literatur der letzten Jahre
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 189 (sequence 18)
- Language
- German
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Die ialmudische Literatur der letzten Jahre. 189 Midraschsammlungen wenig gewissenhafte Ignoranten waren. »Die Pethichofh in unseren Midraschim sind sehr häufig falsch, ihre Konstruktionen unvollständig, die Namen ihrer Autoren nicht echt1).« Dies heißt aber nicht mehr Texte erklären, sondern sie zerstören. Solche aus einer falschen Theorie folgenden Pauschal- Verdächtigungen können nicht Gegenstand der Kritik sein; aber die Tatsache allein, daß Künstlinger, um die Pethichoth in das von ihm konstruierte Prokrustesbett zwängen zu können, zu einer so radikal kritischen, d. h. ganz unkritischen, Auffassung der Midraschim seine Zuflucht nehmen muß, beweist die ganze Unhalt־ barkeit seiner Pethichatheorie. Aber die Gliederung der Texte in Künstlingers Arbeiten ist von Wert. Nicht weil man durch sie das unwissend-gewissenlose Schalten der Midraschredaktoren erkennen kann, wie K. meint, sondern weil die gegliederten Texte die Entwicklung der Peihicha veranschaulichen. Auch dieGegenübersteliung der einzelnen Glieder des Bibeitextes und der Deutung läßt die Übereinstimmung zwischen beiden schärfer hervortreten. Künstlingers Pethichaforschungen ist also nicht alles Verdienst abzusprechen. Es wäre aber trotz allem haben Künstlingers Arbeiten ihren Wert, wie hier im Text weiter unten gezeigt wird. Es muß auch als verdienstlich bezeichnet werden, das K. das Vorhandensein tannaitischer Proömien konstatiert hat, wobei er mit Recht eine größere Anzahl derselben voraussetzt, als später Bacher annahm. Vgl. auch dazu Schwarz, deutsche Literaturzeitung 1913, Sp. 1679. — Was aber die ungewöhnliehen Abkürzungen betrifft, so sind jetzt Runen und unverständliche Zeichen aller Art hochmodern und gelten als wichtigstes Merkmal »höherer Wissenschaftlichkeit«. Wer nicht kopfzerbrechende Abkürzungen und augenverderbende Zeichen eigenster Erfindung anwendet, der hat seiner wissenschaftlichen Krone einige Zacken ab^ gebrochen; wer aber gar natürlich schreibt, ohne futuristisch-kubistischhypochondrische Orthographie und ohne sezessionistisch-sentimental auf den Kopf gestellte Interpunktion, der hat seinem Gelehrtenmantel einen ganzen Ärmel ausgerissen. Auch panbabylonistisch-mystische Aufdonnerung ist heute Trumpf. נ) Die Pethichoth des Midrasch rabba zu Genesis S. 4.