Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die talmudische Literatur der letzten Jahre
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 186 (sequence 15)
- Language
- German
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186 Die talmudische Literatur der letzten Jahre. letzteren den Sinn der ersteren ermittelt». Aus dieser exegetischen Methode, einen pentateuchischen Text durch Heranziehung eines nicht pentateuchischen Textes zu erklären, hat sich das Proömium entwickelt. «Im Proömium wird diese Methode auf einen Vers, gewöhnlich den Anfangsvers eines beim Gottesdienste zur Verlesung gelangenden Schriftabschnittes, oder auf den Gesamtinhalt desselben angewendet. Die Verknüpfung des Perikopentextes mit dem aus den Propheten oder Hagiographen gewählten Proömientexte, die Auslegung des letzteren und der dadurch gewonnene Übergang zu ersterem bildet den wesentlichen Inhalt des Proömiums». Bacher hat eine Bedingung für den Charakter der Pethicha, gewiß weil sie leicht aus den Texten erkennbar ist, nicht betont, durch welche Unterlassung aber seine These von manchen nicht richtig erfaßt und daher angegriffen wurde. Ich will daher dieses Moment hervorheben: Die Verknüpfung des Proömiumtextes mit dem Perikopentext muß eine unmittelbare sein, d. h.: auf den Perikopentext muß unmittelbar der Propheten- oder Hagiographenvers mit oder ohne 'Einleitungsformel folgen, etwas anderes darf zwischen beiden Texten nicht stehen. Deshalb ist z. B. Gen. r. VI 9 kein Proömium, weil zwischen Perikopen- und Proömiumtext eine Erklärung des ersteren Textes sich befindet,, die erst die Verknüpfung mit dem Prophetenvers ermöglicht, und zwar bloß, um diesen zu erklären, nicht aber um den Peri~ kopenvers zu beleuchten1). Dadurch erledigt sich die Frage D. Künstlingers in seiner Anzeige des Bacherschen Werkes, Orientalistische Literaturzeitung 1913, Sp. 455. Seine zweite Frage, warum Gen. r. XCV 2 kein Proömium ist, beantwortet sich einfach durch die Tatsache, daß dort die Erklärung des Proömiumtextes, der wichtigste Bestandteil des Proömi־ ums, fehlt. Übrigens hat Künstlinger nicht beachtet, daß in dem fraglichen Text nicht einmal eine Deutung vorliegt, da weder Gen. 46, 28, nach Jes. 11, 13 erklärt werden, so daß letzterer Vers in der Luft schwebt. Der vollständige Text findet sich im Tanchuma t2LV1, worauf schon מהרז״ו verweist, und dort hat in der Tat die Stelle die Form einer!egelrechten Pethicha.