Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die talmudische Literatur der letzten Jahre
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 176 (sequence 5)
- Language
- German
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176 Die talmudische Literatur der letzten Jahre. klärung das umgekehrte, indem er die Losung angibt für eine nicht genannte Schwierigkeit. Nach Schwarzens Erklärung müßte die Middah vollständig lauten: .(1נכתוב אחד אומר כך וכתוב אחד אומד כך] שני כתובים נהם] Sprachlich ist also aus dieser neuen Erklärung nicht viel gewonnen. Dagegen resultiert aus ihr eine radikale Umwälzung inbezug auf die Auffassung des Inhaltes dieser Middah. Es ergibt skh aus ihr die Tatsache, daß die vierte Hillelsche und die dreizehnte Ismaelsche Middah nicht bloß nicht identisch sind, sondern auch zu einander in scharfem Gegensätze stehen, eine vollständige Antinomie bilden. »Die vierte hermeneutische Regel Hilleis fordert zur Lösung der Antinomie eine freie selbständige Distinktion, die uns zu der Erkenntnis führt, daß der Widerspruch ein bloß scheinbarer gewesen, daß der Streit auf einem Mißverständnisse beruhte . . . Die dreizehnte Regel R. Ismaels, wie die meisten Methodologen sie auffassen, verbietet die selbständige und verlangt eine autoritative, von einem dritten Vers gegebene Distinktion« (S. 194 f.). jene »fordert von uns, daß wir selbständig aus eigener Kraft die Antinomie aufiösen, diese verbietet uns, selbständig zu denken und verlangt gebieterisch, daß wir der Distinktion des autoritativen Bibelwortes beipflichten« (S. 22). Wie ist nun diese Antinomie zwischen der vierten Middah Hillels und der dreizehnten Middah R. Ismaels aufzulösen? ln folgender Weise: Hille! lehrte, daß zwei einander widersprechende Bibelsätze durch eine freie Distinktion zwischen dem Inhalt des einem und dem des anderen Bibelsatzes von ihrer Gegensätzlichkeit befreit werden müssen. Wie aber, wenn ein Gegensatz durch mehrere Distinktionen gelöst, die Antinomie durch mehrereLösungsversuche aufgehoben werden kann? Darüber hat Hil lei uns keine Regel gegeben. Auf diese Frage antwortet erst R. Akiba, indem er lehrte: Von verschiedenen selbständigen Distinktionen gebührt derjenigen der Vorzug, die von einem Bibelwort gestützt wird. Diese Regel R. Akibas ist eine Erweiterung und Fortentwicklung ג) Vgl. ähnlich Blau, Deutsche Literaturzeitung 1913, Sp. 2978.