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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1916-01-01 · Heft 3 · p. Seite 175

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
60 (1916)
Issue
Heft 3
Article
Die talmudische Literatur der letzten Jahre
Date
1916-01-01
Page
Seite 175 (sequence 4)
Language
German
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Die talniudische Literatur der letzten Jahre. 175 ist sicherlich ein untrügliches Zeichen streng objektiver Gesetzesforschung, aber für die Auslegung des Gesetzes hätten unsere alten Lehrer mit dieser Erkenntnis absolut nichts gewonnen, wenn sie ihnen nicht zugleich auch die Überzeugung aufgedrängt hätte, daß es unerläßlich notwendig sei, die Antinomien aufzulösen, sie als bloß scheinbare nachzuweisen» Und aus dieser Überzeugung heraus stellten sie eine auf die Beseitigung der Gesetzeswider- Sprüche abzielende hermeneutische Regel auf» (S. 13). Es muß also in dem Terminus שני כתובים der Hinweis enthalten sein, wie die Antinomie aufzulösen sei, was aber nach der alten Auffassung der vierten Middah nicht der Fall ist, da sie bloß das Vorhandensein von Widersprüchen konstatiert, ohne anzugeben, wie sie auszugleichen seien. Daher meint Schwarz, daß der Ausdruck שני כתובים tatsächlich eine Anleitung zur Aufhebung der Antinomien enthält, einen deutlichen Hinweis auf ihre Lösung, die in einer Distinktion besteht. Denn »jede Antinomie, gleichviel ob sie in einem kontradiktorischen oder konträren Gegensätze besteht, findet in einer einfachen Distinktion ihre Lösung. Die zwei Sätze, welche ein gemeinschaftliches Subjekt haben, schließen einander nur so lange aus, als wir uns für berechtigt erachten, sie in einen Satz zusammenzufassen und zu sagen: A ist B und non B. In dem Augenblicke jedoch, in welchem wir zu der Einsicht gelangen, daß diese Zusammenfassung unstatthaft ist, verwandeln sich die zwei einander ausschließenden Sätze in zwei ganz verschiedene und darum auch ruhig und friedlich nebeneinander bestehende Sätze. Ins Talmudische übertragen, lautet diese Ausführung also: Die שני כתובים sind nur so lange מכחישים ׳זה את זה als sie auf einen ענין sich beziehen und in einen כתוב zusammengezogen werden können; drängt sich uns jedoch die Überzeugung auf, daß wir es in Wirklichkeit mit שני כתובים zu tun haben, dann ist die הכחשה auch bereits verschwundene Wie man nun aus dieser Ausführung sieht, muß שני כתובים auch nach Schwarz elliptisch gefaßt werden. Während nach der herkömmlichen Auffassung der Terminus den Widerspruch hervorhebt, ohne die Lösung anzudeuten, tut er nach der neuen Er-

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