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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1916-01-01 · Heft 3 · p. Seite 173

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
60 (1916)
Issue
Heft 3
Article
Die talmudische Literatur der letzten Jahre
Date
1916-01-01
Page
Seite 173 (sequence 2)
Language
German
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Die talmudische Literatur der letzten Jahre. 173 zu Schwarzens, d. h. zur uralten traditionellen, aus den Texten notwendig sich ergebenden Auffassung bekennt, für einen persönliehen Feind hält. In Schwarzens streng sachlicher Polemik finde ich keinen Grund für diese Deutung Zuckermandels. Sie hat aber dazu geführt, daß manche, denen es wohl nicht an Mut fehlt, die aber die Empfindlichkeit eines Mannes, der ein langes, entsagungsreiches Leben der jüdischen Wissenschaft gewidmet, schonen wollen, eine Stellungnahme in diesem Streite vermeiden. Die ruhige, unbefangene Prüfung wird erschwert und verleidet, wenn man von vornherein weiß, daß sie als Gehässigkeit aufgefaßt und mit Unfreundlichkeit vergolten werden wird. Wenn ich Schwarzens Auffassung des Verhältnisses der Tosefta zur Mischnah als die uralt traditionelle, von den beiden Talmuden vorausgesetzte, aus dem Toseftatext folgende bezeichnet habe, so gilt dies bloß von der Theorie dieser Auffassung. Und ihre praktische Konsequenz, die Ordnung des Toseftatextes nach der Mischna, dient bloß dazu, um den Kommentarcharakter der Tosefta deutlich hervortreten zu lassen. Daß aber der Toseftatext auch ursprünglich so geordnet war, kann nicht mit Sicherheit behauptet werden. Die ursprüngliche Ordnung oder die jetzige Unordnung der Tosefta ist ein Problem, das nicht mehr restlos gelöst werden kann. Die moderne europäische Vorstellung von Systematik und Ordnung darf nicht ohne weiteres in alten Zeiten im Orient vorausgesetzt werden. Was uns als Unordnung und systemloses Durcheinander erscheint, muß nicht auch vom Redaktor der Tosefta so empfunden worden sein. Es ist aber auch folgendes zu bedenken. Aus manchen Talmudstellen1) ist zu entnehmen, daß es eine erste Rezension unserer Mischnah gegeben, die Rabbi in seiner Jugend verfaßt hat2). Wie diese erste Rezension der Mischnah Rabbis sachlich in manchen Punkten von unserer, der letzten Redaktion abwich, so ist wahrscheinlich auch die Ordnung des Stoffes in ihr eine etwas verschiedene gewesen. So daß 1) Baba mezia 44 a, Abodah sarah 52 b, jerusch. Baba mezia IV, 1. 2) Vgl. Rapoport im Kerem Chemed II und Frankel. 20 מבוא».

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