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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1916-01-01 · Heft 3 · p. Seite 169

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
60 (1916)
Issue
Heft 3
Article
Das Sabbatäer-Gebetbuch des Simon v. Péchi
Date
1916-01-01
Page
Seite 169 (sequence 9)
Language
German
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Das Sabbatäer-Gebetbuch des Simon v. Pech!. 169 blicken in seine Werkstätte hinein, wie er Schritt für Schritt dem hergebrachten jüdischen Kultus und Ritus folgend, trotzdem ein sabbatäisches Gebetbuch schafft, das in erster Reihe ein Andachts- und Erbauungsbuch für den Einzelnen sein soll. Der gemeinsame Gottesdienst scheint überhaupt auf schwachen Füßen gestanden zu haben, — besitzen wir ja nicht einmal eine vollständige Pentateuchübersetzung dieser Sekte und ebenso wenig Spuren, daß sie anfangs Synagogen besessen haben, — und so fehlen auch hier die speziellen Gebete für den Vorbeter. Eine andere, naheliegende »Anpassung« war, daß Pechi die didaktischen, zum Teil talmudischen Elemente der Liturgie, sowie die auf den Opferdienst bezüglichen Stellen, in erster Reihe das Mussafgebet, eliminierte, da die — mit heutigem Ausdruck — national-jüdischen Hinweise für ihn keine Bedeutung hatten. Er behielt sozusagen ausschließlich den ethischen Kern, den gefühlsmäßigen Inhalt unserer Gebete bei, der den Beter in religiöse Stimmung versetzen, bezw. einer solchen Ausdruck geben sollte. Wie bewußt der Verfasser dessen war, daß er, ein »Fremder«, für seinesgleichen schreibe, erhellt aus jedem Blatte seiner Über- Setzung, wo er z. B. das עמו ישראל meist mit »Israel und all seine Getreuen« umschreibt, die Erwähnung »unserer Väter« mit »Vater aller Heiligen« (besonders in den älteren Rezensionen) wiedergibt, später: »der alten heiligen Väter«. Den גרי צדק widmet er im Achtzehngebet fast 5 Zeilen, und nach der ברכת התורה scheint er direkt für seine Sekte folgendes Gebet verfaßt zu haben: »Gelobt sei.. ., der uns aus der Finsternis der Irrungen, der Religion mehrerer und außer Dir fremder Götter befreit, uns die Kenntnis Deiner göttlichen Allmacht vermittelt hast, als Allein-Einziger, der ohne Genossen, Gleichheit und Ähnlichkeit ist, und der uns zu seinem Dienste ohne jedes mensch■־ liehe Dazutun und Erfinden den gelobten heiligen Weg seiner heiligen Gesetze und Satzungen gegeben, der zum Suchen seiner göttlichen Gnade genügt. Gelobt seist Du, heiliger Gott, der Geber Deines heiligen Gesetzes.« Wahrlich ein ganzes Glaubensbekenntnis mit verhüllter polemischer Tendenz!

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