Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Das Sabbatäer-Gebetbuch des Simon v. Péchi
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 8)
- Language
- German
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168 Das Sabbatäer-Gebetbuch des Simon v. Pech!. unmöglich gewesen wäre. So finden wir denn hier neben den diversen Segensprüchen über Genüsse, Gerüche, Naturerscheinungen und Merkwürdigkeiten, neben kurzen Gebeten vor Antritt einer Reise, vor Benutzung des Bades, vor Aderlässen und Notdurft auch die vorgeschriebenen Benediktionen beim Schlachten und Blutbedecken mit sehr kurzen Anleitungen, die beim Thorastudium, bei Erfüllung der 3 Frauenpflichten, und hier neben der für Challah auch die bei Abnahme des Obst- und Wollzehnten, sowie die bei der Auslösung des erstgeborenen Knaben. Die Sitte der Circumcision, auch das Zeremoniale der rituellen Trauung wird nirgends ausdrücklich erwähnt, wohl aber צדוק הדין bei einem Begräbnisse. Beachtenswert ist ein kurzes Dankgebet, das verrichtet werden soll, wenn es nach langanhaltender Dürre und angeordnetem Fasten zu regnen beginnt, ganz im Sinne des Traktats Thaanith. Nach dem mit ברכת מזומן versehenen Tischgebete, in dem bloß der Hinweis auf den ברית ausgelassen, die Erwähnung der Festtage aber mit dem רצה verbunden ist, ist noch eine abgekürzte Fässung desselben abgedruckt, die Pechi ausdrücklich für seine Kinder verfaßt hat, und die bei großer Eile leicht auswendig gebetet werden kann. Noch folgen einige Nachträge für Chanukka, Purim und den 9. Ab und zum Schluß zwei Originalgebete Fechis, die er 1636 und 1638 »gegen Gewalt und Verfolgung« in ung, Sprache verfaßte, die aber in Stimmung und Sprache vollständig den Eindruck hebr. Selichoth machen. Ich habe mit Absicht eine so ins Einzelne gehende Übersicht über den Inhalt des Werkes gegeben, weil diese am geeignetsten ist, uns eine Vorstellung von der vollendeten Sicherheit zu geben, mit der Pechi das gesamte Material unserer Liturgie überschaut und beherrscht hat, und von der Tatsache, daß nicht etwa sprachliehe Schwierigkeiten ihn davon zurückgehalten haben, eine noch vollständigere Übersetzung zu liefern, sondern in erster Reihe die Rücksicht auf die bestehenden Verhältnisse seiner Gemeinde. Wir übersetzt im Sch’ma: »sie seien zum Erinnerungszeichen zwischen deinen Augen, auf der Stirn«.