Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Das Sabbatäer-Gebetbuch des Simon v. Péchi
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 4)
- Language
- German
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164 Das Sabbaiäer-Gebefbuch des Simon v. Pechi. Wie aus einer kurzen Übersicht erhellt, beschränkt sich Pechis Übersetzung nicht auf den sogenannten Siddur, sondern enthält auch einereiche Auswahl aus der Fest- und Fasttagsliturgie, die bis dahin überhaupt in keinerlei Sprache übersetzt worden war. Seine Vorläge war unzweifelhaft eine Gebetsordnung nach sefardischem Ritus, wie ja auch Spagniolen aus der Levante die einzigen Juden gewesen, mit denen die Sabbatäer — und gewiß auch erst seit 1623, nachdem G. Bethlen den Juden seine Lande eröffnet — in persönliche Berührung treten konnten. Zur genauen Vergleichung* stand mir zwar ein alter sefardischer Siddur nicht zur Verfügung, aber die meisten Abweichungen von unserem Ritus, besonders in der großen Vorliebe für Psalmen, sowie in einzelnen Texterweiterungen, finde ich noch in heutigen Ausgaben des s. R. vor. Über den Inhalt und die Einteilung des vorliegenden, ca. 400 Druckseiten starken Gebetbuchs ist folgendes zu bemerken; Es beginnt mit einer längeren Betrachtung über das Beten: »so oft das Geschöpf seinen Schöpfer in der Not aüfsuchen und ansprechen oder ihn in gewissen Stunden durch Dankgebete und Lobpreisungen ehren will«. Für das Händewaschen sind zwei Segensprüche angeführt: mit Wasser und ohne Wasser1), beide von unserem נטילת ידים abweichend. In den Benediktionen am Anfang des Morgengebetes fehlen die drei שלא עשני, jedoch wird deren Zahl durch drei neue Danksagungen für Schwache, Einfaltige und Kranke ergänzt. Wir vermissen weiterhin die »Akeda« (die sie umgebenden zwei Gebete sind kurz zusammengezogen),, die Partien aus Bibel und Mischna, die sich auf den Opferdienst beziehen, später Kaddisch und ברכו, während die קדושה in der »Hamida« eingeschaltet ist, »falls sich 10 Personen oder mehr treffen«2). Nach Schluß des Achtzehngebetes findet sich eine interessante Anmerkung: »Die Hamida pflegt in der Versammlung 3) »Der uns befohlen die Unschuld unserer Hände und deren Waschen mit Wasser« resp. »der uns die Unschuld und Reinheit der Hände geboten«. 2) Die 10. Benediktion (die des Jahres) hat 2 Fassungen: eine für den Sommer und eine bedeutend längere für den Winter.