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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1916-01-01 · Heft 2 · p. Seite 146

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
60 (1916)
Issue
Heft 2
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1916-01-01
Page
Seite 146 (sequence 7)
Language
German
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146 Oie Darstellung der Juden im deutschen Roman die zähe Stammesgemeinschaft (die die Juden doch erhält!) der unintelligenten Orthodoxen erweckt den dumpfen Groll der um» gebenden (?) Völker, und der einzige Schutz des gelobten Volkes (?) ist, daß es unerschöpflich seine Intelligenzen an die große Weltbürgerschaft abgibt (d. h. taufen lassen! Das wäre also des Pudels Kern). Wie einst das Opfer seines schönsten Mädchens an den Perserkönig seine Rettung war, so muß es heute Blüten über Blüten (ob das gerade Blüten und nicht wurm» stichige Früchte sind?) in fremde Gärten schenken als Tribut, daß es fremd unter Fremden bleiben will (?).« Es entgeht also Bartsch sonderbarer Weise, daß eben Bohnstock nicht »fremd« bleiben wollte, sondern trotz allem und allem zurück» gestoßen wurde — vom Knüppeideutschtum. »Das ist euer Leben und eure Kraft. Wie kann die Schlingpflanze stammlos in die Luft wachsen wollen?« Das sind schöne — Worte, aber leider auch leere. Frau von Karminell bringt ihn in das Orchester der Wiener Hofoper, wo er findet, was ihn versöhnt. Er reißt sich aus der deutschen Erde (es war also doch bloß äußerlich, anempfunden?), wie der Slowene und geht fort wie dieser, aber viel weiter fort: in das unermeßliche Reich derer, welche keine Nation haben und dennoch eine stille Nation sind über den ganzen Erdboden hin. Kann aber, so meine ich, nicht beides auch vereinigt sein? Glücklich wird Bohnstock nicht, aber auch unglücklich ist er nicht; er wird es nicht, durch die Gabe des Wohllauts seiner Geige und seiner Seele . . . Wir sehen, Bartsch hat eine Wandlung mitgemacht, der Jude muß nicht mehr ein Schuft sein, ein Deutscher kann er freilich nur werden, wenn er sich taufen läßt. Über die Richtigkeit der Ansicht wollen wir hier nicht streiten. Die Sinnesänderung des jetzt so berühmten Schriftstellers zeigt sich ebenso in Elisabeth Kött. Roman von R. H. Bartsch. Lpz. 190g. L. Staackmann. Auch hier tritt nur ein Jude auf, der zwar anfangs einen Stich ins Lächerliche hat, aber gegen Ende fast tragisch wird und eine durchaus freundliche Behandlung erfährt.

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