Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 8)
- Language
- German
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des zwaP4zigsten Jahrhunderts. 147 Es ist die Geschichte eines armen Provinzmädchens, das Theaterblut in sich hat und um jeden Preis sich auf der Bühne zur Geltung bringen will. Es gelingt ihr. Sie wird »zur Sensation«, erst in der Heimat, dann in Wien, allerdings, indem sie ihr Magdtum verkauft. Sie heiratet einen hohen Adeligen, liebt sehr viel und wird viel geliebt, natürlich ebensowenig platonisch, wie alle Weiber Bartschs. Zu ihren Bekanntschaften gehört ein junger jüdischer Bankbeamter mit dem geschmackvollen Namen Syrup. In seinen Blicken zeigt sich eine innige, wahre Begeisterung für die Künstlerin, der ihr erster, uneigennütziger Förderer, ein alter Herr, sein bedeutendes Vermögen hinterläßt. Syrup widmet ihr unausgesetzt eine »ansaugende, hundetreue Bewunderung. Er lebt überhaupt nicht anders als durch ihre Kunst.« Elisabeth wird innerlich immer unglücklicher. Von einem Prinzen verraten, verläßt sie die große Welt und den Gatten, selbst verlassen von allen außer Syrup, der allein in seiner Hundetreue ihr folgt, obwohl er in der »Gesellschaft« nicht für voll gilt. Sie wird Direktorin einer fahrenden Schauspielertruppe, um Vergessen zu finden und die deutsche Kunst den Madjaren und Slawen zu bringen, »einer aber litt mehr als Menschen sonst an fressender Schwermut zu leiden haben, und das war der arme Syrup, in dem die zwei großen Tugenden seines Volkes mächtig glühten: die jüdische Sehnsucht und die jüdische Dankbarkeit. Er liebte die Kött, o ja! Verzehrend, sinnlich und übersinnlich. Aber was ihm an ihr das Liebste war, das waren die Stunden überirdischer Erhebung gewesen, die sie ihm als Künstlerin gegeben.« Elisabeths Vermögen wird kleiner. Da nimmt der arme Syrup sein bischen Vermögen zusammen, erwirbt sich Urlaub und fährt ihr nach. Er vertut sein Geld, um ihr zuzuhören. Die Zukunft schlägt er sich in schmerzlichen Kämpfen mit seinem guten, klugen Geschäftsverstand immer wieder aus dem Kopfe. Er will nicht denken. Er schreit und kämpft für sie gegen den feindlichen Spektakel der Madjaren. Beseeligt wie ein Märtyrer trägt er eine klaffende Kopfhautwunde und eine geschwollene Backe in sein Hotel, aber sein Leben ist wieder groß und übervoll. Nach zweiundeinhalb 10*