Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 145 (sequence 6)
- Language
- German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 145 schmerzen.« Ist denn wirklich das Deutschtum eines deutschen Juden etwas Willkürliches, bloß äußerlich Angenommenes? Nimmt er es nicht, wie die Deutschen auch, durch die Erziehung und — die Schule in sich auf? Oder ist Deutschtum, Franzosentum usw. etwas Inhärentes? Ich glaube eben nicht, sondern meine, daß, wenn ein junger Deutscher etwa, bevor er zur geistigen Entwicklung gelangt ist, unter ein fremdes Volkstum gerät, er durch Erziehung und Umgebung ganz dieses fremden Volkstums wird. Doch wie dem sei, die gute Absicht mag anerkannt werden. Zwei Tage nachher schlagen sich Bohnstock und Arbold mit schweren Säbeln, und der flinke, starke Arbold unterliegt dem langen Gegner, der sinnlos dreinhaut »mit jener zerrissenen Verzweiflung, die von einst bis heute wohl von allen Völkern nur der Punier und der Jude bewies.« Arbold hat eine schwere Kopfwunde. Er will weiter schlagen. Der Arzt tritt dazwischen. »Du kannst durch das Blut, das dir in die Augen läuft, nicht sehen.« Symbolisch, denkt Bohnstock. Auch er ist verwundet Arbold hat ihm die versöhnende Hand verweigert. In der frischen Luft der Gassen überfällt Bohnstock der Rausch des glückliehen Kampfes mit Freunden: »Ich will mich schlagen für unser verhöhntes Volk, bis ich erschlagen werde, oder alle Gegner besiegt habe... « Ein Raufer und Händelsucher will ich werden gegen diese schwarzrotgoldenen Prahlhänse. Und der ihn führende, jüdische Student erzählt ihm von Wien, den jüdischen Burschenschaftern und dem Zionismus. »National müssen wir werden!« Auch der südslawische Student, der sich ebenfalls heiß der deutschen Kultur hatte anschließen wollen, lernt den Haß gegen die deutschen Spötter, er will Lehrer am slowenischen Gymnasium in Laibach werden. »Die Ungerechtigkeit und der blinde Haß des Knü pp eld euts chtu ms haben auch ihn zurückgestoßen. Bohnstock aber kämpft weiter. Die Kunst hält ihn fest. In Graz ist er unmöglich geworden. Dem treuen »Nachsinner deutscher Volksseele« hatten sich die Herzen der Freunde (?) geöffnet. Vor dem Makkabäer verschließt sich hart und weich. Frau von Karminell warnt ihn: »Das aggressive Judentum ist ein Unding. Schon Monatsschrift, 60. Jahrgang10 ־