Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2829132-2829873-2829876-2893475--42103-2893555- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
144 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman Waffen hatte? Deutsch wollte er sich beweisen. Vor sich selber. wollte er deutsch sein, und wenn auch der Gedanke nur seine letzte Stunde verklären sollte: du bist eins mit dem Volke, das die Welt mit seinem Samen erneute (das deutsche nämlich) und nie größer war, als neues in fernen Landen zu nichts verrann! (Das verstehe ich zwar nicht, aber das tut ja nichts, Worte sind es doch.] . . . Arbold rannte gegen den Offizier der anrückenden Truppe: »O’Brien? Pfui Teufel!« Und er spie ihn.an. Lachend schlug O’Brien den fassungslosen Studenten über Kappe und Schädel. Taumelnd stürzte Arbold nieder. Bohnstock hatte Ansatz gemacht, sich wie einst Winkelried in die Eisenspitzen zu werfen; nun aber fing er den wankenden Freund auf und zerrte ihn zurück . . . O'Brien wies höhnisch mit der Spitze des Säbels auf Arbold, der sich an der schwachen Stütze des langen Musikers aufrichtete, um augenblicklich wieder anzurennen. Immer noch lachte er: »Da seht ihr eure heilige deutsche Kraft symbolisch! Von jüdischen Armen gestützt!« O'Bräen kannte Arbold. Aufraffend stieß dieser mit beiden Armen gegen Bohnstocks Brust: »Was brauch ich dich! Was bringst du mir Schande? Laß mich los, Saujud!« »Heil!« schrillten ein paarjungen auf. »Weg mit dem Juden — im Kampf zwischen Deutschen und Slaven!« Und der Ruf stieg weiter zurück, bis in die tiefen, grollenden Männerstimmen in der Masse. »Weg mit dem Juden!« Und während die Volksmenge immer dichter anrannte . . . wankte Bohnstock in Gram und Schande ausgestoßen, verzetert von Feind und Freund, weggejagt wie ein Hund aus dem Haus des in den Tod geliebten Herrn, davon, davon . -. . Ausgestoßen! Was blieb ihm? Er war kein freudiger Jude wie die stumpfgierige Handelsjudenschaft. Mußjude. (??) Und alle edlen, intelligenten Juden mit ihm. O, O! Und an den gotischen Kirchenpfeiler lehnte er sich und schrie: »Christengott, Christengott, der du Liebe sein sollst! Gib mir zu weinen!« Aber es kamen keine Tränen. Gänzlieh zerstört lehnte er. Verstoßen! Ausgesperrt! Wandre, wandre,- Ahasver! Du sollst nicht Ruhe finden auf Erden! . . . « Das mag ' nun sehr gut gemeint sein, aber ich halte es für »erlogene Liebes-