Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 4)
- Language
- German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 143 sein, was Sie bisher waren, fanatisch deutsch. Helfen doch auch Sie ihm dabei. Ich kann Ihnen freilich nicht meine Überzeugung geben, daß ich die Juden für Deutschlands und Österreichs Nutzen halte; sie geben unserem Volke Empfindlichkeit, Nerven und Widerstandskraft; sie sind das Sicherheitsventil der Freiheit, weil sie viel nervöser auf Druck reagieren als wir. Der große deutsche Volkskessel ließe sich ohne sie gefühllos überheizen, um dann zu platzen.« So reicht Arbold dem Juden die Hand. Er hat Angst bekommen, daß der Verschmähte mit Übergehung deutschen Volkstums in die Weltengleichgiltigkeit Helbigs einschwenken könnte. Da schmeichelt ihm doch lieber die Werbung um die eine geliebte Nation. Bohnstock hat mit seiner Begeisterung für Wagner alle Grazer angesteckt, das jetzt erst seine großgermanischen Opern kennen lernt, aber eine eigene Oper im Stile Wagners gelingt nicht ganz; sein Talent versagt. Wir kommen zur Katastrophe unseres Helden, ln Graz ist, infolge der politischen nationalen Verhältnisse in Böhmen, ein Volksaufstand ausgebrochen, zu dessen Dämpfung bosnische Truppen herbeigezogen werden, unter ihnen O’Brien als Offizier. Bohnstock hilft gerade mit lustigen Studenten das Schild einer klerikalen Zeitung abnehmen, und wie ein verzückter Cherub singt seine ganze Seele bei der törichten Handlung: Deutschland, Deutschland über Alles! Er ist überglücklich. Nun darf er kämpfen . . . bluten vielleicht für das Volk, das ihm heilig ist, und durch dieses Blut echt werden. (Das ist nun ganz schön, wenns nur richtig wäre. Ich glaube kaum, daß ein gebildeter deutscher Jude erst über sein Deutschtum, das ihm so selbstverständlich ist, wie dem französischen etwa sein Franzosentum, ich rede garnicht von der Staatsbürgerschaft, so nachgrübelt, sich so aufdrängt, wie es Bartsch annimmt. Der deutsche Jude ist ein Deutscher, der französische ein Franzose usw. und — basta!) Männer eilen herbei; die bosnischen Soldaten kommen, »da ließ kaum einer der zornig Aufschreienden das heitere Werk so schnell fahren als der jüdische Musiker, — um sich der Gefahr entgegen zu werfen. Was galt es ihm, daß es Torheit war? Daß er schwache Arme und keine