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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1916-01-01 · Heft 2 · p. Seite 141

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
60 (1916)
Issue
Heft 2
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1916-01-01
Page
Seite 141 (sequence 2)
Language
German
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Die Darstellung d. Jud. i. deutsch. Roman d. zwanzigst. Jahrhund. 141 Er wirft die Liebe von sich und sagt weinend: Gut, daß sie fort ist. Aber wenn er einen Haß von seinem Herzen lassen soll, das ist das schwerste von allem, den kann er nicht von sich stoßen, es tut ihm allzu weh.« Da ging der milde Kantilener zu ihr hin: »Ich möchte den Komponisten kennen lernen und ihm ein lieber Freund sein, wenn wir beide dazu taugen.« Helbig zerbrach in anderer Weise den Wall um sein Herz. Er war ganz Verstand: »Wir Deutschen haben eine gealterte Kultur. Unsere Anschauung ist derart mit Vernunft durchknetet, unser Arbeiten sind so reflexiv und überlegt geworden, daß wir nur mehr verständig überlegte Musik machen können, was eigentlich ein Unding ist; denn die Musik wirkt auf ganz andere Nerven als die des Verstandes, und wer sie auf letztere einrichten will, beweist nur, daß ihm durch Überkuitur die musikalische Sinnlichkeit abhanden gekommen ist. Jenes Volk aber hat seine Sinnlichkeit außerordentlich stark festgehalten (nun, sonst behauptet man auch das Gegenteil.) Die Lust am Gold, am Titel, am Witz und am Weib sind zumeist lebhafter in ihm als bei den umwohnenden (?) Ariern. (Die Richtigkeit aller dieser Behauptungen, auch der obigen mag dahingestellt bleiben.) Diese Ursprünglichkeit der: Sinne läßt sie auch die Musik sinnenfällig nehmen. Vielleicht sind sie die einzigen, welche heut noch Ahnungsmusik machen können.« So sind die Freunde schon halb beruhigt, als ihnen Frau von Karmineil Näheres von Arnos Bohnstock erzählt. Er ist der Sohn eines Trödlers und nach vollendetem Gymnasium zum Schmerz seines Vaters zur Musik durchgebrochen, Geiger und Konzertmeister am Grazer Theater, noch lange nicht dreißig. »Der arme Bohnstock mußte hoch aufgeschossene Vorfahren gehabt haben; sein Name war wohl das Diktat eines Bezirksprofoßen aus Kaiser Josephs Zeiten, und zu allem Unglück war Bohnstock abermals überlang geraten, so daß man Sorge um die Haltbarkeit seiner Lunge haben mußte. Alle Lebenskraft in diesem hohlbrüstigen jungen Menschen schien in musikalisches Empfinden umzuarten. Außer seiner Musik und einer unermeßlichen, tötlichen, hoffnungslosen Sehnsucht nach dem deutsch-

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