Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1916-01-01
- Page
- 140 (sequence 1)
- Language
- German
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Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts. Von Joseph Bass. (Fortsetzung.) , . . Die Darstellung der Juden bei Hans Bartsch. In »Zwölf aus der Steiermark« von Rud. Hafis Barts eh, (Leipzig 1908, L. Staakmann, 383 S.), dem Roman, der ihn berühmt gemacht, wird ein Jude anderer Art geschildert und zwar in dem national-radikalen Graz. Daß in dieser Wuotansstadt Jedes Frauenzimmer, jedes, die altberühmte germanische Keuschheit, unserem Schriftsteller zufolge, für etwas Unnötiges hält, geht uns nichts an, oder'nur insofern, als es die Yorwürfe von der Sinnlichkeit und Lüsternheit der Jüdinnen in die richtige Beleuchtung rückt. Der eigentliche Inhalt der Geschichte kann uns wirklich gleichgiltig sein, und ich will nur das meinen Gegenstand Betreffende ausziehen. Frau Else von Karmineil befindet sich in ihrem »Rheingoldzimmer« in Gesellschaft einiger der »Zwölf« und singt und spielt einige Lieder vor, deren Musik Alle tief ergreift. »Wer hat das Alles gemacht? Ein Österreicher? Ein Slawe?« »Er möchte mit Ihnen Freundschaft halten«, sagte Frau Else ernst und mit klarer Stimme, »aber er ist Jude«. Da wurden Alle still. Diese jungen Leute hatten Alle außer dem gänzlich vorurteilslosen O’Brien gegen ein Erb urteil zu kämpfen. Frau Else sah, wie es ihnen weh tat, daß ein solches Talent aus dem gehaßten Volk der Bewußtlosesten erblüht war; denn Alles, was nach der Meinung dieser jungen Leute jenes Volk trieb und dachte, gehörte dem großen Gebiet »der bedrückten, unerlösten Fremde« an: Geld, Gut, Ware, Bedarfsliteratur, Nutzkultur Frau Eise schwieg . . . Dann sagte sie: »Ich weiß, der Mensch gibt sein Vertrauen weg und sagt mit geringer Wonne: fahr hin.