Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die talmudische Literatur der letzten Jahre
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 2)
- Language
- German
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94 Die talmudische Literatur der letzten Jah^e. eine Sammlung von kleinen Redeganzen, in denen Sentenzen, Erfahrungen, Erscheinungen und Tatsachen mit einem gemeinsamen Merkmale zu einer Einheit zusammengestellt sind. Solche Zusammenstellungen waren bei der akroamatischen Lehrmethode ein wichtiges mnemotechnisches Hilfsmittel. So gehören derartige Gruppierungen einer verhältnismäßig alten Zeit an. Trotzdem ist dieser Charakter eines Schriftwerkes kein sicheres Zeichen für dessen Alter, da die Methode auch später nachgeahmt oder eine ältere Sammlung umgearbeitet werden konnte. Die von Wertheimer herausgegebene Sammlung enthält nur wenig Neues, da ihr Inhalt seinem Grundstöcke nach in mehreren Werken unter verschiedenen Namen vorliegt1). Sie unterscheidet sich aber von den anderen Sammlungen dadurch, daß zu den Angaben oft die Belege angeführt werden, während sonst bloß die Zahlen gruppiert sind. Welche Form die ältere ist, ist schwer zu entscheiden. Nach Analogien 2) zu schließen, ist es wahrscheinlich, daß der Kommentar später zur Sammlung hinzukam. Entscheidend für die Jugend der Wertheimerschen Sammlung ist die Stelle S. 56: כנגד ארבע יסודות חום לה& קור יבש. In der ältern rabbinischen Literatur werden die »vier Elemente« nicht erwähnt. Erst in Num. r. XIV ארבעה טבעים. Vgl. auch Zunz, Gottesdienstliehe Vorträge2, S. 273. Nur im Sefer Jezirah und in Ex. r. XV ist von »Elementen« die Rede, aber nur von dreien. Im Sefer Jezirah heißen die Elemente אמות, im Ex. r. .allgemein בריות. Nach dieser Stelle gehört die Sammlung frühestens dem 10. Jahrh. an. Für diese Zeit sprechen besonders die Namen der Elemente: Wärme, Feuchtigkeit, Kälte und Trockenheit. Diese hippokratischen Elemente kennt unter den Juden zuerst Israeli; vgl. 3םפר היסודות 1) Auch von L. Grünhut in ספר הלקוטים III unter dem Namen פרקי רבעו הקדוש herausgegeben, was Wertheimer nicht erwähnt. Diesen Midrasch haben schon Halachoth gedoloth und Sa’adia benützt. Vgl. Ginzberg in Blaus הצופה מארץ הגר IV, S. 26f. Zitate, die mit Wertheimers Sammlung übereinstimmen, häufig in Midrasch ha-gadol, ed. Mekize Nirdamim (Hoifmann), Berlin, 1913. 2) Fastenrolle, Beispielsammlungen zu den 13 und 32 Middoth.