Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Verteilung des homiletischen Stoffes für den kultischen Cyclus
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 8)
- Language
- German
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88 Die Verteilung■ des homiletischen Stoffes für den kultischen Cyklus. über die uns Allen anhaftende Sündhaftigkeit, zugleich der edle Vorsatz und der tröstliche Glaube, durch die Gottestage dem ferner gelegenen Ziele der Reinheit und Heiligkeit uns wieder anzunähern, steigert sich zur Feier, ja wird zu einer Feier, welche die bloß geschichtliche überwiegt. So können wir auch bei diesen Festen von einem »laeta dicere convenit« reden. Was die gewöhnliche Sabbatpredigt betrifft, so ist der Stoff in der Sidra und der Haftara gegeben. Wo der Sabbat noch ein anderes Charakteristiken hat als am Wochenabschnitt, wie z. B. der Chanukasabbat an der geschichtlichen Erinnerung, die ihn auszeichnet, da wird auch die Predigt die Mitte halten müssen zwischen Festpredigt und Sabbatpredigt. Von der Sabbatpredigt als solcher läßt sich eigentlich in stofflicher Hinsicht wenig bemerken. Folgendes ist etwa das Wenige. Da wir hier den Prediger in der Gemeinde und nicht den, der dann und wann irgendwo predigt, im Auge haben, so wird von ihm zu sagen sein, daß er in dem festlosen Teil des Jahres das zu ergänzen haben wird, was in dem Festteil sich nicht geben läßt. Das Fest drängt das Didaktische in den Hintergrund, die Sabbatpredigt wird, da sie nichts Historisches hat, von dem sie ausgeht, das Didaktische vorwiegen lassen. Hierbei ist das Predigen in serie ins Auge zu fassen. Offenbar wird ein Prediger, der zwar nicht allsabbatlich aber doch so oft predigt, daß seine frühere Predigt bei dem Eintreten der darauf folgenden noch nicht verklungen ist, das Recht haben, an seine frühere Predigt anzuknüpfeti. Ja es gibt Prediger, die mit Erfolg einen und denselben für die religiöse Erkenntnis wichtigen Gegenstand durch viele Wochenabschnitte hindurch von seinen verschiedenen Seiten mit Erfolg behandeln. So hat Pleßner über das Gebet länger als ein halbes Jahr immer mit Anknüpfung an den betreffenden Wochenabschnitten untereinander zusammenhängende Predigten behandelt. Die beschränkenden Gesetze dafür werden sein: 1. Die Predigten dürfen zwar Zusammenhängen, ja es wird für die systematische Belehrung der Gemeinde oft von höherer Ersprießlichkeit sein, aber jede Predigt muß auch wiederum für ein volles, relativ ab-